Der namenlose Tag

Friedrich Ani

20 Jahre ist es her, dass Kriminalhauptkommissar Jakob Franck Doris Winther die Nachricht überbringen musste, dass ihre Tochter Esther sich erhängt hat. Sieben Stunden stand er ihr bei - in schweigender Umarmung, dieser Frau, in deren Nachnamen es ständig schneite.

09.08.2015, 16:35 Uhr / Lesedauer: 1 min

Eine Begegnung, die Franck sein restliches Leben nicht vergessen wird und die in diesem Kriminalroman eine zentrale Rolle einnimmt. Mittlerweile ist er im Ruhestand, doch die Toten der Vergangenheit lassen Franck nicht los, sie sind überall, und wenn sie wieder an seinem Küchentisch Platz nehmen, dann stellt er ihnen Butterkekse hin.

Es war Mord

Doch auch andere werden von ihren Dämonen verfolgt: Eines Tages steht der Vater der toten 17-Jährigen, Ludwig Winther, vor seiner Tür. Er glaubt nicht an einen Selbstmord, er bittet Franck darum, dem Fall noch einmal nachzugehen und den Mörder seiner Tochter zu finden.

Denn dass es Mord war, davon ist Ludwig Winther überzeugt. Jakob Franck lässt sich nicht lange bitten, und so nimmt der erste Fall der neuen Krimi-Reihe von Friedrich Ani, "Der namenlose Tag", seinen Lauf.

Auch Franck ist ein großer Schweiger

Ähnlich wie seine Vorgänger Tabor Süden, Anis wohl bekannteste Ermittler-Figur, und Polonius Fischer, der ehemalige Mönch, ist Jakob Franck ein großer Schweiger und Zuhörer. Auf seine ganz eigene Art bringt er seine Gesprächspartner zum Reden und wenn sie das tun, eröffnen sich tiefste Abgründe aus Schuld und Versagen.

Diese unfassbare Melancholie und Dunkelheit, die Ani hier einmal mehr mit seinen Worten inszeniert, muss man als Leser erst mal verkraften. Die schier mit Händen greifbare Einsamkeit seiner Protagonisten ist zermürbend, um die dunklen Geheimnisse früherer Tage zu verkraften, braucht es gute Nerven. Eine intensive, finstere Stille die einen packt und nicht wieder loslässt.

 

Friedrich Ani: Der namenlose Tag, 301 S., Suhrkamp, 19,95 Euro, ISBN 978-3-518-42487-2.