Der neue Stephen King-Film bietet filmisches Fast Food

Ab Donnerstag im Kino

Stephen King nennt Rolands Geschichte „meinen Jupiter – einen Planeten, der alle anderen zu Zwergen macht“. Roland, der Revolvermann ist eine Figur aus Kings monumentaler Fantasy-Saga „Der dunkle Turm“, acht Bände stark, die jetzt auf einen Film von 95 Minuten eingedampft wurden.

07.08.2017, 17:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lesern des Zyklus‘ und eingefleischten King-Fans dürften die Haare zu Berge stehen, wenn sie merken, dass die Filmvariante von „Der dunkle Turm“ allenfalls Personal und Motive plündert, nicht aber den Versuch macht, Komplexität und Einfallsreichtum der Bücher abzubilden.

Nach der Pressevorführung hört man Romankenner fachsimpeln: Der Junge tauche erst in Band sechs auf, zwischen den Romanen existierten Zeitsprünge, von denen nichts zu sehen sei, die Nutzung kindlicher „Brainpower“ stehe so nicht im Buch. Von Werktreue keine Spur.

Stephen Kings Opus galt als unverfilmbar

Wie auch? Allein die Inhaltsangabe der Romane (über eine Spanne von 30 Jahren veröffentlicht) sprengt den Rahmen, das Paralleluniversum des dunklen Turms mit Western-, Mittelalter-, SciFi-Szenarien wimmelt vor Figuren.

Kein Wunder, dass Kings Opus magnum als unverfilmbar galt. Vier Drehbuchschreiber haben die Saga nun radikal zusammengestrichen - zu einem Fantasy-Actioner, der auch ohne Lektüre verständlich ist. Wenn die Romane ein mehrgängiges Menü sind, dann ist „Der dunkle Turm“ filmisches Fastfood.

Inszeniert hat der Däne Nikolaj Arcel („Die Königin und der Leibarzt“), Idris Elba spielt den Revolvermann Roland, Matthew McConaughey einen diabolischen Magier, Tom Taylor den zwölfjährigen Jake, der von apokalyptischen Visionen geplagt wird. Immer wieder sieht Jake einen dunklen Turm und einen schwarzen Mann.

Idris Elba klasse in "Der dunkle Turm"

Als die Mutter ihn in die Psychiatrie schicken will, türmt Jake aus dem Fenster. In einem Haus in New York findet der Junge das Portal zu einer anderen Welt. Dort trifft er den Pistolero seiner Träume, der einen Hexer bekriegt, der Erde und Kosmos auslöschen will.

Ein Junge reift zum Helden und Weltretter. Das schmeckt mehr nach Comic als nach Stephen King. Idris Elba ist ein Klassetyp für beidhändige Baller-Action, McConaughey gibt kalt lächelnd den Satan. Die Effekte sind nicht immer hochklassig, Schergen und Monster tauchen auf, doch nie wird klar, wer und was sie eigentlich sind.

Der Film zeigt viel, erklärt aber nichts - vor lauter Aktionismus hängen Story und Kosmologie einfach nur in der bleihaltigen Luft. Ein mittelprächtiger Endzeit-Western mit Aromen von Stephen King.