Der Prinz kommt bei der Berlinale zum Schluss

"Cinderella" mit Cate Blanchett

Mit einem Märchen hat es begonnen, mit einem Märchen endet es. 64 Jahre später. Auf der ersten Berlinale 1951 gewann der Disney-Zeichentrickfilm "Cinderella" den Goldenen Bären und Publikumspreis. Jetzt zeigt zum Abschluss der 65. Internationalen Filmfestspiele der Brite Kenneth Branagh seine Aschenbrödel mit echten Menschen.

BERLIN

von Von Patrick Wildermann

, 13.02.2015, 17:43 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Prinz kommt bei der Berlinale zum Schluss

Cate Blanchett in Berlin. Foto: Michael Kappeler

Darunter Cate Blanchett (als Stiefmutter!), Lily James (als Cinderella) und Richard Madden (der Prinz). Das bringt noch einmal Starpower an die Spree. Auch wenn der Film, opulent ausgestattet und effektprall zwar, nicht gerade Shakespeare-Qualität hat.

Kein Ort für Märchen

Aber die Berlinale ist eben kein Ort für Märchen. Sondern vor allem für Geschichten, die im harten Boden der Realität wurzeln. Wie das britische Drama „45 Years“ von Andrew Haigh. Der stürzt ein 45 Jahre lang verheiratetes Paar (großartig: Charlotte Rampling und Thomas Courtenay) in die späte Ehekrise. Oder der spanische Beitrag „El Club“ von Pablo Larrain.

Der konfrontiert eine Gruppe straffällig gewordener Priester mit einem ihrer Missbrauchsopfer – unter die Haut gehend, und doch voll schwarzem Humor. Oder die albanisch-italienische Produktion „Vergine Giurata – Sworn Virgin“ der Regisseurin Laura Bispuri. Die erzählt von einer Frau (großartig: Alba Rohrwacher), die sich in einem archaischen nordalbanischen Patriarchat als Mann behaupten muss. Allesamt beeindruckende, rau-realistische Geschichten.

Kein klarer Favorit

Weniger überzeugen konnten dagegen die Filmemacher, die unbedingt auf den Kunst-Trip gehen wollten. Wie der Russe Alexey German Jr., der in „Under Electric Clouds“ einen 130-minütigen impressionistischen Bilderstrom fließen lässt. Oder der 72-jährige Peter Greenaway, aus dessen Regisseurs-Hommage „Eisenstein in Guanajuato“ vor allem die Szene in Erinnerung bleibt, in der dem Protagonisten ein rotes Fähnchen in den Hintern gesteckt wird.

Es war kein sensationeller Berlinale-Wettbewerb in diesem Jahr. Aber guter Durchschnitt. Nur ein klarer Favorit drängt sich nicht wirklich auf. In den Kritikerumfragen, national wie international, lag zuletzt „45 Years“ vorne. Gewiss ist nur: Für eine Regisseurin oder einen Regisseur heute wird das Bären-Märchen wahr.