Der Regisseur und sein Kaleidoskop des Ruhrgebiets

Drei Fragen an Matthias Kutschmann

Matthias Kutschmann ist der Regisseur von „Radio Heimat“. Er hat Kurzgeschichten von Frank Goosen adaptiert und eine Art Kaleidoskop des Ruhrgebiets entstehen lassen.

BOCHUM

, 04.08.2015, 16:28 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Regisseur und sein Kaleidoskop des Ruhrgebiets

Matthias Kutschmann ist Regisseur des Films "Radio Heimat" von Frank Goosen.

Wie kamen Sie an den Stoff, und wie haben sie Goosens Kurzgeschichten für den Film adaptiert? Ich kannte den Produzenten unseres Films von der Hochschule, wo ich mein Diplom als Regisseur gemacht habe. Christian Becker meinte, „Ich habe einen Stoff, ,Radio Heimat‘, guck mal, was du damit anfangen kannst.“ Ich las die Bücher, fand aber nicht den griffigen Plot: A geht nach B, trifft dort C und so weiter. Das wird schwierig, war mein Eindruck. Nö, sagte Christian. Du erzählst über vier Jungs in der Pubertät im Ruhrgebiet der 80er-Jahre, ganz einfach. Und so habe ich mich im Steinbruch von Goosens Geschichten bedient, habe den Stoff eingesaugt, umgewandelt, und in eine Art Kaleidoskop des Ruhrgebiets umgeschrieben.

Frank Goosen hat Ihnen also freie Hand gelassen? Zu meiner Freude hatte er schnell großes Vertrauen zu mir und meiner Arbeit. Ich habe ihm einen Entwurf für die Stimmungen, für die Szenerie, für die Figuren zukommen lassen. Das fand er klasse. Dann haben wir uns mit einer Drehbuchfassung zusammengesetzt. „Es gibt Sachen, die haben autobiografischen Anklang. Ist es okay für Dich, wenn ich sie so und so auserzähle?“, habe ich Goosen gefragt. Wenn man sein Leben auf der Leinwand sieht, kann das einen Autor durchaus erschrecken. Frank aber ließ mich machen lassen und sagte: „Mensch, Du kennst Dich mit meinem Kram schon besser aus als ich!“

Wie haben Sie Orte gefunden, die noch das Flair der 80er-Jahre atmen? Wir haben unglaublich viele Location-Scouts verballert, muss man sagen. Wir haben 110 Schauplätze, das ist viel für einen Film, wie auch die 50 Figuren, die wir durch diese Schauplätze führen. Man fragt sich ja immer, was erzählen die 80er, aber auch die 60er, die im Film vorkommen, alleine schon durch ihr Dekor? Das wurde von Requisiteuren in unserem Team wirklich liebevoll gebaut, nicht etwa nur zwei Bahnen Tapeten, bis es sich echt anfühlt. Wir drehen auch nicht im Studio, sondern in Originalwohnungen, die teils leer standen. Da haben wir Teppiche und ganze Schrankwände reingetragen, wie man sie früher hatte.

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