Der Sieger ist: Ein sprödes Drama aus Peru

BERLIN Der Goldene Bär der 59. Internationalen Filmfestspiele geht an den peruanischen Beitrag "La teta asustada - The Milk of Sorrow" von Claudia Llosa. Zum ersten Mal überhaupt war die südamerikanische Republik im Wettbewerb vertreten. Eine Überraschung ist die Entscheidung der Berlinale-Jury unter dem Vorsitz von Tilda Swinton insofern nicht, als das Festival zuletzt ja selten einen Sieger gesehen hat, mit dem zu rechnen gewesen wäre.

von Von Patrick Wildermann

, 15.02.2009, 16:41 Uhr / Lesedauer: 1 min

"La teta asustada", ein sprödes, symbolgeladenes Drama, erzählt von der jungen Fausta (Magaly Solier), deren Mutter während der Jahre des Terrors in Peru vergewaltigt wurde - weswegen Fausta, so der verbreitete Glaube, "Milch des Leids" an der mütterlichen Brust getrunken hat und nun verängstigt durchs Leben geht. Ein achtbarer Film, sicherlich. Aber er dürfte sich zu jenen Bären-Gewinnern gesellen, die entweder keinen Verleih oder kein Publikum finden. Das spricht nicht unbedingt gegen die Berlinale. Aber auch nicht für sie. Wann wurde zuletzt ein Cannes-Sieger nicht wenigstens ein Programmkino-Erfolg?

Erfreulich aus filmpatriotischer Sicht ist natürlich der Silberne Bär für Maren Ades deutschen Beitrag "Alle anderen", das Beziehungsdrama eines urlaubenden Pärchens in emotionaler Schieflage. Über den Film - der sich den Preis ex aequo mit "Gigante" aus Uruguay teilt - mag man ja streiten, über die Leistung der Hauptdarstellerin Birgit Minichmayr hingegen nicht. Die österreichische Burgtheater-Elevin erhielt zu Recht den Silbernen Bären für ihre famose Leistung. Auch der aus Mali stammende Sotigui Kouyate verdient seinen Darsteller-Bären: er spielt in dem Drama "London River", das von den Terroranschlägen in der britischen Hauptstadt anno 2005 erzählt, einen Vater auf der Suche nach seinem verlorenen Sohn.VIel Auswahl hatte Jury nicht

Auch der Preis für die beste Regie an den Iraner Asghar Farhadi für sein Gesellschaftspanorama "About Elly", sowie der Drehbuch-Bär an Oren Moverman und Alessandro Camon für ihre Hiobsbotschafter-Geschichte "The Messenger" gehen in Ordnung. Viel Auswahl hatte die Jury, der unter anderem Christoph Schlingensief und Henning Mankell angehörten, in diesem Jahr sowieso nicht.

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