Der singende Bodyguard

Musical Dome Köln

Es hätte ein gigantischer Angriff auf die Tränendrüsen werden können. Der Stoff gibt das her. „Bodyguard“ – als Film mit mehr als sechs Millionen Kinozuschauern in Deutschland ein Megaerfolg – kommt nach Köln, in den Musical Dome.

BIRMINGHAM

, 09.10.2015, 16:10 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der singende Bodyguard

Am 21. November hat das Musical "Bodyguard" in Köln Deutschlandpremiere.

Doch das Drama um den einsamen Sangessuperstar Rachel Maron und ihren Leibwächter Frank Farmer, der seinem Schützling zu nahe kommt, ist auf der Bühne bemerkenswert anders als auf der Leinwand. Und doch vertraut. Gut gemacht, Thea Sharrock.

Die 39-jährige Theaterregisseurin wurde von den Produzenten damit beauftragt, das Kunststück zu vollbringen, ein Hollywood-Filmepos optisch zu reduzieren und doch opulent erscheinen zu lassen: „Es war sicherlich ein kalkuliertes Risiko, sie zu nehmen“, sagt ihr Co-Regisseur Frank Thompson. Wer das Endergebnis sieht, ist schnell davon überzeugt, dass es nicht Sharrocks letzter Musical-Einsatz bleiben wird.

Herausforderung

„Ich glaube nicht, dass Whitney Houston geschafft hätte, was unsere Hauptdarstellerin schafft“, sagt Thompson ganz offen, wenn er über die gesangliche Herausforderung der Produktion spricht. 16 Houston-Klassiker sind zu absolvieren, eine stimmliche Herkulesaufgabe. Natürlich sind nicht alle aus „Bodyguard“, Klassiker wie „One moment in time“ oder I wanna dance with somebody“ haben die Autoren geschickt in eine Handlung eingebaut, die gestrafft das wiedergibt, was Cineasten an „Bodyguard“ lieben: Erotik, Crime, Drama, Romantik und Melancholie.

Besonders gelungen: Die Idee, den Zuschauer durch eine Art Kamerablende, die sich öffnet und schließt, vergrößert und verkleinert, schauen zu lassen. Es bleibt die einzige Verbeugung vor dem Kino. Ansonsten haben Autoren und Regisseurin die Vorlage ordentlich gestrafft, sie konzentriert auf das schwierige Verhältnis zwischen Superstar Rachel und ihrer Schwester Nikki und die Beziehung beider zu Rachel Marrons Beschützer.

Stalker auf Leinwand

Der Stalker, der später zum Attentäter wird, taucht auf einer riesigen Videowand auf oder erscheint wie aus dem Nichts im grellen Scheinwerferlicht.

Die Bühnenbildner hingegen mussten es schaffen, immer wieder neue Orte auf überschaubarem Raum zu kreieren: Eine Villa, Clubs, Hotels, die heimelige Blockhütte in den Bergen und die opulente Oscar-Verleihung. Allein zu sehen, wie das handwerklich umgesetzt wurde, ist ein Vergnügen.

Anders als im Film

Zwei Jahre lang war „Bodyguard“ auf der Bühne im Londoner Westend zu sehen, immer ausverkauft. Ein augenzwinkernder Moment, den es im Film nicht gibt, ließ das Publikum regelmäßig jubeln: Frank Farmer verhunzt beim Karaoke-Wettbewerb in Anwesenheit seiner Chefin deren Superhit „I will always love you“ – mutige Selbstironie. Natürlich gibt’s den Song auch vom Profi zu hören.

Was in London und auf Tournee in Birmingham schon groß für eine Musicalbühne wirkte, wird in Köln noch gigantischer: „Es gilt, eine noch größere Bühne optisch reizvoll zu erschließen“, sagt Deutschland-Produzent Martin Flohr. Dazu ist spezielle Lichttechnik nötig, außerdem wird die englische Originalfassung natürlich ins Deutsche übersetzt. „Wichtigste Herausforderung: Den Sprachwitz nicht zu verlieren und trotzdem textlich nah am Original zu bleiben“, erklärt Flohr.

Längere Spielzeit geplant

Mit Bodyguard bekommt Köln nach fünf Jahren mal wieder eine Longstand-Produktion, die mehrere Monate zu sehen sein wird. Die Qualität für volles Haus hat diese Produktion. 

„Bodyguard“ feiert am Samstag, 21. November 2015 (Previews schon ab 11. November), im Kölner Musical Dome Deutschland-Premiere. Karten gibt es unter Tel. (0 18 06) 57 00 70.

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