Der überwucherte Gethmannsche Garten verliert seinen Charme

Gartenserie - Folge 5

Als der Gethmannsche Garten 1808 von Kommerzienrat Carl Friedrich Gethmann angelegt wurde, ging er als einer der ersten öffentlichen Gärten, die den Bürgern frei zugänglich waren, in die Geschichte ein. Es war ein Landschaftsgarten, dessen Panorama Besucher bis nach Dortmund blicken ließ. Heute ist von dem Charme früherer Tage nicht mehr viel übrig.

HATTINGEN

23.08.2017, 11:26 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der überwucherte Gethmannsche Garten verliert seinen Charme

Der Königsplatz im Gethmannschen Garten in Blankenstein war im 19. Jahrhundert noch sehr gepflegt und gut besucht. Foto: Grote

Der neu angelegte Eingang zum Gethmannschen Garten lässt erahnen, wie es früher mal ausgesehen haben muss. Ein über die Wiese gepflasterter Weg wird flankiert von einer Skulptur aus den 70er-Jahren und einem kleinen Blumenbeet. Davor steht ein Denkmal zu Ehren Gethmanns. Rechts davon ist der ursprüngliche Eingang, hinter dem Besuchern schon nach wenigen Metern Brennesseln und Wald entgegenschlagen.

Das besondere des Gartens ist die Topografie. Er liegt am Hang zur Ruhr, die sich 70 Meter abwärts ihren Weg durch den Talkessel zwischen Blankenstein und Bochum-Stiepel bahnt. Diese Höhengliederung machte den Garten im 19. Jahrhundert, nach der Fertigstellung 1855, so beliebt. Zudem auch die Sichtachsen – die sich dem Wald geschlagen geben mussten.

Stadt Hattingen arbeitet an Parkpflegewerk

„Der Garten ist zu einem besseren Wald mit großer Wiese geworden“, sagt Peter Grote, Heimatforscher und Besitzer eines naheliegende Grundstücks, „und ein Wald ist kein Landschaftsgarten mehr.“ Erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts hat der Garten seine Landschaft verloren. Die Bäume seien früher mal Gestaltungselemente gewesen. Heute nehmen sie die Gestalt des Gartens ein.

An den Steinernen Tischen, von denen aus Besucher einen schönen Blick Richtung Ruhr und der benachbarten Burg Blankenstein haben, wird das Problem des Gartens sichtbar. Denn die Sicht ist stark eingeschränkt, lediglich ein kleiner Teil der Bäume, die die Sicht beeinträchtigen, sind zurechtgeschnitten.

Das soll sich aber ändern, versichert Solveig Holste, Landschaftsarchitektin und Fachbereichsleiterin für Stadtbetriebe und Tiefbau der Stadt Hattingen: „Wir erarbeiten momentan ein Parkpflegwerk, mit dem die Strukturen des Gartens wieder ausgearbeitet werden sollen.“ Alte Sichtachsen sollen wieder hergestellt werden. 2018 soll das Parkpflegewerk vorgestellt werden.

Im Gethmannschen Garten gehen Bäume verloren

Über den Schneckengang, der dem Garten der Medici nachempfunden ist, ist die Obstbaumallee zu erreichen, an der sich tatsächlich noch Bäume aneinanderreihen. Doch Obst gibt es dort schon lange nicht mehr. Genau so wenig gibt es Tannen an der Tannenallee. Einzig Lärchen und Kastanien, namensgebend für den Lärchenplatz und die Kastanienlaube, haben sich ins 21. Jahrhundert gerettet. Und während auch Rhododendren ausgestorben sind im Garten, besiedeln diesen jede Menge Rotbuchen und Stieleichen.

Über geschwungene Wege sind die Lauben und Plätze verbunden. Der wichtigste Weg, die Obstbaumallee, verbindet Friedrichsberg und Wilhelmshöhe, auch Abendhügel genannt, die beiden größten Erhebungen des Gartens. Sie sind nach Gethmanns Söhnen benannt.

Belvedere als Höhepunkt des Gethmannschen Garten

Über den gewölbten Buchengang erreicht der Besucher den Höhepunkt des Gartens. Es ist der Punkt, an dem die Sicht beinahe ursprünglich ist. Der Belvedere ist eine Aussichtsplattform, von der aus der Verlauf der Ruhr über Kilometer zu sehen ist.

Über die Ostseite des Gartens, die parallel zur Ruhr verläuft, erreichen die Besucher den ursprünglichen Garten, der nur 1400 Quadratmeter misst. Heute ist der Garten, dessen Grundstrukturen noch vorhanden sind, über fünf Hektar groß. Der Königsplatz, früheres Herzstück des Gartens, ist überwuchert. Dort war mal eine Büste, die jetzt im Stadtmuseum steht.


Der Gethmannsche Garten steht in Blankenstein unweit der Burg (Zu den Sieben Hämmern 10, 45527 Hattingen). Er ist frei zugänglich.

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