Der Untergang in 3D-Bildern

Kino: James Camerons "Titanic" ist zurück

Fast auf den Tag 100 Jahre ist es her, dass die berühmteste Schiffskatastrophe ihren Lauf nahm und die Titanic 1500 Menschen in den Tod riss. Anlass für Dokus, Titelstorys und der Grund, warum James Camerons "Titanic" nach 15 Jahren wieder ins Kino kommt, in der 3D-Version.

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 06.04.2012, 12:05 Uhr / Lesedauer: 1 min
Jack (Leonardo DiCaprio) und Rose (Kate Winslet) am Bug der Titanic: Ein Bild, das zur Ikone wurde.

Jack (Leonardo DiCaprio) und Rose (Kate Winslet) am Bug der Titanic: Ein Bild, das zur Ikone wurde.

Man könnte abfällig von "aufgemotzt" sprechen, täte dem Perfektionisten Cameron aber Unrecht. Hunderte von Spezialisten sollen es gewesen sein, die Bild für Bild neu berechnet haben. Nimmt man im Kino die Brille ab, sind bei freiem Auge viel weniger Unschärfen da als bei gängigen 3D-Streifen. Alt und Neu lassen sich so ziemlich gut vergleichen, das Ergebnis spricht für Cameron: Schwebteilchen im Wasser schwimmen plastisch vorbei, die Tiefenstaffelung von Personen wird räumlich spürbar.Film von Meisterhand Schnell ist man das Spielchen leid. Weil klar wird, dass "Titanic" kein aufgeblasenes Spektakel ist, das bloß um Effekte kreist. Sondern ein Film von Meisterhand. Geschrieben und inszeniert von einem, der weiß, wie man Fakt und Fiktion, Mythos und Melodram, Schmerz und Schmacht unter einen Hut bringt.Schiff als Sinnbild

Man hatte fast vergessen, wie gut hier alles zusammenpasst. Wie das Schiff zum Sinnbild seiner Epoche wird. Blinder Technik-Glaube. Die Hybris, die Natur besiegt zu haben. Die Gier des "Schneller, höher, weiter". Ein Schiff auch als Spiegel von Gesellschaft: Unterdeck, Oberdeck. Adel versus arme Schlucker. Alles leicht und fingerfertig hineingewoben, ohne den Erzählfaden zu verlieren.Neubesichtigung lohnt

Dann Kate Winslet und Leonardo DiCaprio, das emotionale Herz der Geschichte. DiCaprio mit Bubigesicht, Winslet mehr Knospe als Blüte. Ikonografisch das Bild, wo sie am Bug stehen. Liebe bis in den Tod und darüber hinaus. Kein Halten, die Augen werden feucht. "Titanic" ist eben zeitlose Kino-Magie, so rührend wie Nerven aufreibend. Nicht oft lohnt eine Neubesichtigung so wie hier.