Der Wilde Westen hat wenig Sinn für Romantik

"Slow West" im Kino

Die Verklärung des Wilden Westens ist Geschichte. Filme wie "True Grit", "Meek’s Cutoff", "The Homesman" und andere haben seine glorreichen Helden aus dem Reich der Mythen auf den Boden der Realität gezwungen, man könnte auch sagen, in Staub und Dreck gezogen. Diese Bodenhaftung findet man auch in "Slow West", dem Kinodebüt von John Maclean.

DORTMUND

, 31.07.2015, 14:41 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Wilde Westen hat wenig Sinn für Romantik

Silas (Michael Fassbender) bringt so schnell nichts aus der Ruhe.

Schönes und Erhabenes spiegelt sich höchstens in superb fotografierten Natur-Panoramen (gedreht wurde in Neuseeland), während die Menschen ihre hässliche Fratze zeigen.

Eine Ausnahme ist der von Kodi Smit-McPhee gespielte Jay, ein Schwärmer und Schöngeist mit rosigem Kindergesicht. Der hoffnungslose Romantiker reitet gen Westen, um seine große Liebe Rose (Caren Pistorius) zu sehen, die aus Schottland fliehen musste. Jay ahnt nicht, dass 2000 Dollar auf Roses Ergreifung ausgesetzt sind.

Fette Beute winkt

Fette Beute für Kopfgeldjäger, zu denen auch Silas gehört, verkörpert vom wunderbaren Michael Fassbender. Er dient sich dem Grünschnabel als Beschützer an. Jay nennt Silas einen Grobian, lernt ihn aber schätzen, als weit übleres Gesindel an seiner Fährte klebt.

Wie der Titel nahelegt, entfaltet der Film seine Geschichte sehr kommod, mit ruhigem Atem und gravitätisch melancholischer Musik. Da bleibt sogar Raum für Burleskes, herb und knochentrocken dargereicht. Bevor man sich in der Gemütlichkeit einrichtet, schlägt die Stimmung jäh um. Schüsse fallen, arme Teufel liegen in ihrem Blut.

Das Recht des Stärkeren

Ein Leben zählt nichts, wo man um jeden Bissen kämpft. Der Westen kennt nur das Recht des Stärkeren. Das gipfelt in einer lakonisch brutalen Schießerei, einem bittersüßen Finale, wo auch die verträumte Unschuld auf der Strecke bleibt. Wie sagt hier ein Chronist: "Im Westen nur Tod und Schinderei!" Klug erzählt, fein gespielt, stimmungsvoll in Szene gesetzt. Ein erdiger Neo-Western bester Machart.

 

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