Derbe Sprüche und Randgruppenspäße beim Zeltfestival

Enissa Amani

Sie ist klein und immer wieder für eine Überraschung gut: Die Komödiantin Enissa Amani. Mit politisch inkorrekten Witzen und einer bewegenden Biografie begeisterte sie am Wochenende das Publikum auf dem Zeltfestival.

BOCHUM

von Stefan Meinhardt

, 07.09.2015, 15:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Derbe Sprüche und Randgruppenspäße beim Zeltfestival

Klein, aber oho! Enissa Amani beim Zeltfestival Ruhr.

Man sieht es der kleinen, hübschen Frau nicht an. Doch sobald Enissa Amani den Mund aufmacht, versteht man, warum die Deutsch-Iranerin seit zwei Jahren zu den vielversprechenden Entdeckungen der deutschen Comedy-Szene zählt. Am Sonntagabend versorgte sie das Publikum beim Zeltfestival mit allerlei derben Sprüchen.

Nein, politisch korrekt ist ihr Humor wirklich nicht. Doch böse ist ihr dafür keiner der Zuschauer im ausverkauften Stadtwerke-Zelt. „Ich liebe ja Ohh-Gags”, ruft die junge Kabarettistin ins Publikum. Damit meint sie das peinlich beührte, amüsierte Raunen, das durch Publikum geht, wenn ein Witz mal unterhalb der Gürtellinie einschlägt. In Amanis Show bekommt jeder sein Fett weg, egal ob Iraner, Türken, Italiener oder Deutsche. Das Ganze verpackt sie stets mit einem charmanten Lächeln. Auf eine Randgruppe ist Amani bei allem Spaß aber wirklich schlecht zu sprechen. Nazis tritt die 31-Jährige offen gegenüber und macht sich zum Beispiel über die Wahlplakate der NPD lustig. Bei einer Videobotschaft an die NPD beteiligt sich der ganze Saal lautstark.

Kindheitsgeschichten

Amani erzählt von ihrer Kindheit in Deutschland als Tochter von iranischen Flüchtlingen. Der Vater strenger Kommunist, die Mutter Feministin. „In der Schule hatten andere Kinder tolle Pausenbrote in Plastikdosen dabei. Meine Mutter hat mir Nussnougatcreme auf Fladenbrot geschmiert und in Alufolie eingedreht”, erinnert sie sich schmunzelnd. Weiter geht es mit Witzen über den Schönheitswahn in Persien: „Die Frauen da haben so lange Fingernägel, damit hätten sie den Suez-Kanal allein ausheben können.”

Nach inzwischen zwei Jahren auf den Bühne des Landes, zieht sie Bilanz. Eigentlich habe sie beabsichtigt, Jura zu studieren und Anwältin für Frauenrechte im Iran zu werden („Toller Job, man hat den ganzen Tag frei!”). Dass sie ihr Hobby zum Beruf machen konnte, habe sie nie gedacht. Ihr erstes langes Programm wird am 23. Oktober in Köln Premiere feiern. Der Titel lautet „Zwischen Chanel und Che Guevara”. Die Vorstellung beim Zeltfestival gab einen guten Eindruck, was die Zuschauer dann erwartet: Zuckersüß vorgetragene „Ohh-Gags”.

 

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