Designer gehen auf digitalen Abstand

Abschluss-Rundgang

MÜNSTER Nichts ist im Kino prächtiger anzuschauen als der Untergang der Welt. Vulkane, Flutwellen, Erdbeben, einstürzende Hochhaus-Städte: mit Gummibärchen leicht zu ertragen. Jetzt hat die digitale Katastrophe auch Münsters Fachbereich Design erreicht.

von Von Manuel Jennen

, 13.07.2012, 19:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Torben Weit hat einen eindrucksvollen Trickfilm über den Weltuntergang und den Aufbruch zu einem neuen Planeten gestaltet.

Torben Weit hat einen eindrucksvollen Trickfilm über den Weltuntergang und den Aufbruch zu einem neuen Planeten gestaltet.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Rundgang der Design-Absolventen

Internet-Shopping, Schmuck-Herstellung, trendige Kochbücher und im Gitarren im Eigenbau: Die neuen Diplomanden, Master und Bachelors am Fachbereich Design in Münster machen viele Lebensbereiche angenehmer. Zu bewundern bei der Abschlussausstellung am Leonardo-Campus 6: Vernissage am 11. Juli um 19.30 Uhr, geöffnet am 12./13. Juli (Sa/So) von 10 bis 20 Uhr.
13.07.2012
/
Isabel Müller begibt sich in einem reizenden Bilderbuch in die Welt der Ozeane ...© Foto: Manuel Jennen
... Hauptperson ist dabei eine wackere Meeresschildkröte.© Foto: Manuel Jennen
Nie mehr schlecht sitzende Klamotten aus dem Internet: In Malena Harigs Online-Shop kann man seinen Body scannen lassen und maßgenau einkaufen.© Foto: Manuel Jennen
Manuel Meyers veganes Kochbuch macht auch Hardcore-Fleischessern Appetit.© Foto: Manuel Jennen
Toller Service für Galeriebesucher: Benedikt Rohlmann hat Werke einer eigenen Ausstellung (darunter dieser Jesus) für eine Katalog-Box reproduziert. Statt in einem Buch zu blättern, kann man die Bilder herausnehmen und aufhängen.© Foto: Manuel Jennen
Julia Klebansky hat das Thema Angststörungen in einem Buch mit eindrucksvollen Illustrationen aufbereitet.© Foto: Manuel Jennen
Margarete Laute fand neue Bilder für die Gruselgeschichte von Jekyll und Hyde.© Foto: Manuel Jennen
Torben Weit hat einen eindrucksvollen Trickfilm über den Weltuntergang und den Aufbruch zu einem neuen Planeten gestaltet.© Foto: Manuel Jennen
Graffiti ist nicht immer ärgerliche Sachbeschädigung: Julia Zitenova hat die Geheimnisse des professionellen Style-Writings entschlüsselt.© Foto: Manuel Jennen
Andreas Plautz' Tablet-PC lässt sich aufklappen wie ein Buch.© Foto: Manuel Jennen
Sehr stimmungsvoll hat Anne Weigel eine Geschichte über Sinti und Roma von ursula Wölfel illustriert.© Foto: Manuel Jennen
Julian Leitloff, Raoul Schäkermann und Florian Krebs haben ein Programm zum Schmuck-Design entwickelt. Die Ringe lassen sich hinterher am 3D-Drucker ausdrucken.© Foto: Manuel Jennen
E-Gitarren zum Selberbauen aus hochwertigen Modulteilen bietet Christian Mirbach an. © Foto: Manuel Jennen
Schlagworte

Torben Weit schuf am Computer den Trickfilm „Exo“. Darin bricht ein Monster-Vulkan in Südamerika aus. Erst hunderte Jahre später schaffen es die wenigen Überlebenden, auf Raumschiffen einen fantastisch schönen neuen Planeten zu erreichen. Torben Weits tolle Bilder würden jedem Computerspiel Ehre machen – Film und Spielebranche sind auch die Wunschziele des frisch gebackenen Bachelors.

Keine Frage: Die meisten Absolventen des Fachbereichs Design orientieren sich am Markt. Längst vorbei die Zeiten, in denen viele Räume der Abschlussausstellung wie nostalgische Bastelläden aussahen. Heute scheint sich das karge Gebäude am Leonardo-Campus in einen Apple-Store verwandelt zu haben. Überall glänzen iPads. Andreas Plautz hat sogar eine Art Knick-iPad erfunden, das man wie ein Buch aufklappen kann. Möchte man seinem Gegenüber am Schreibtisch eine Präsentation zeigen, stellt man den Knick-Monitor einfach wie ein Kartenhaus in die Mitte und jeder kann eine Seite betrachten. Wozu man das braucht? „Damit man sich nicht mehr so unangenehm dicht nebeneinander stellen muss, um gemeinsam auf einen Bildschirm zu blicken“, sagt Plautz.

Eine bemerkenswerte Erklärung. Körperkontakt scheint für die Generation Smartphone immer lästiger zu werden. Lieber shoppt man allein vorm Monitor, ohne sich von irgendwem berühren zu lassen. Malena Harig hat das passende Programm dazu entwickelt. Schluss mit dem Maßnehmen beim Schneider! Demnächst stellt man sich unter einen Ganzkörper-Scanner und erscheint als kleine Anziehpuppe auf dem Bildschirm. Jetzt kann man seinem Alter Ego nach Herzenslust perfekt passende Klamotten anziehen und diese hinterher bestellen. Wer weiß, vielleicht flüstert das Handy bald auch: „Für diese Größe bist du zu fett und geblümt steht dir nicht.“

Wenn das richtige Kleid gefunden ist, kann sich die Dame von Welt bei Florian Krebs, Raoul Schäkermann und Julian Leitloff ihren Schmuck selbst entwerfen – natürlich mit wenigen Computerklicks. Gold und Diamanten kommen dabei aber nicht zum Einsatz, sondern Material, das ein 3D-Drucker verarbeiten kann. Das frische Design des Schmucklabels „Míjuu“ mit seiner bunten, an das neue Windows 8 erinnernden Kachel-Optik überzeugt rundum, nur die Klunker selbst könnten zierlicher und eleganter werden.

Neben den Lackflächen und Displays dieser digitalen Welten wirkt die tiefe See wie ein heimeliger Ort – zumindest im Bilderbuch „Meer als eine Reise – Vom Buckelwal zum Igelfisch“ von Isabel Müller. Naturgetreu und doch niedlich geht eine Wasserschildkröte auf Entdeckungsreise, mit Buntstiften gezeichnet. Doch auch bei den Illustratoren spielt der Kuschelfaktor keine große Rolle mehr. Lieber nehmen sie sich die Gruselgeschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde vor: Margarete Laue hat dem doppelgesichtigen Ungeheuer beklemmende moderne Kulissen verpasst.

  • 33 Frauen und 24 Männer stellen in diesem Semester ihre Abschlussarbeiten im Fachbereich Design aus. Dabei besteht die seltene Gelegenheit, alle drei (noch) möglichen Abschlüsse zu vergleichen: das auslaufende Diplom, das neue Basis-Examen Bachelor und erstmals die neue Aufbau-Qualifikation Master. Prämiert wurde diesmal Lisa Fee Krauses Arbeit „Service Design Injection“.
  • Der Rundgang mit dem Titel „Parcours“ ist Samstag und Sonntag (14./15. Juli) von 10 bis 20 Uhr am Leonardo-Campus zu besichtigen. Der Eintritt ist wie immer frei, es gibt ein Katalogbuch.