Detroit-Projekt benennt Platz am Wiesental um

Neues Stadtbild

Mittlerweile ist das Detroit-Projekt des Bochumer Schauspielhauses schon vorbei - doch eine letzte Vernissage gibt es noch. Die Ausstellung "Some at times cast light" wird eröffnet - und wird Bochum lange erhalten bleiben.

BOCHUM

, 18.04.2015 / Lesedauer: 3 min
Detroit-Projekt benennt Platz am Wiesental um

Die Künstlerin Kristina Buch.

Es ist ein Spiel mit der Wirklichkeit: „Some at times cast light“ ist die letzte und gleichzeitig auch dauerhafteste Ausstellung, die aus dem Detroit-Projekt erwächst. Darin macht sich Künstlerin Kristina Buch an die Benennung eines Platzes in Bochum-Ehrenfeld. Ein Platz mit einem Namen und darauf eine Bronzebüste – klingt nicht ungewöhnlich, doch hier ist nichts, wie es scheint.

„Es geht uns beim Detroit-Projekt darum, die Stadt mit den Mitteln der Kunst zu verändern“, erklärt Olaf Kröck, Dramaturg und Kurator des Projektes. Gemeinsam mit der Künstlerin Kristina Buch arbeitete das Schauspielhaus an einer dauerhaften Ausstellung der besonderen Art: dem Grete-Penelope-Mars-Platz.

So lautet ab dem 26. April die offizielle Bezeichnung für den kleinen Platz an der Friederikastraße, Ecke Erlenstraße – direkt am „Eingang“ zum Wiesental. Am gleichen Tag wird dort auch die Büste der fiktiven Frau Grete Penelope Mars enthüllt.

Fiktive Persönlichkeit

„Diese Frau hat es nie gegeben“, erklärt Kröck. Grete Penelope Mars soll dort stellvertretend für all das stehen, was die Besucher oder Passanten in ihr sehen wollen. „Sie verkörpert vielleicht Lüge, Kummer, Hoffnung in einem Kleid“, sagt die Künstlerin Buch. Rund um die Büste legte die Künstlerin außerdem eine Kultur von Glühwürmchen an, die – wenn alles gut geht – in einigen Wochen rund um den neuen Platz herumschwirren sollen.

Das ganze Projekt ist ein Spiel mit der Realität: „Der Platz wurde offiziell durch einen Ratsbeschluss als Grete-Penelope-Mars-Platz benannt“, erzählt Kröck. Für die Benennung von Plätzen ist nämlich die einzige Vorgabe, dass diese nur nach nicht-lebenden Personen benannt werden dürfen. Dass diese Personen real existent sein müssen - davon ist nirgendwo die Rede.

Name der Figur kein Zufall

Dieser rechtliche Kniff, den das Detroit-Projekt gemeinsam mit Künstlerin Kristina Buch hier anwendet, gehört zum Konzept: „Auch in dreißig Jahren werden die Menschen noch an diesem Platz vorbeigehen – und viele werden vielleicht denken, dass diese Person wirklich existiert hat“, prophezeit Kröck. Es ist genau dieses Spiel zwischen Behauptung und Wirklichkeit, das ihn an diesem Projekt so reizt.

Auch der Name der Figur ist kein Zufall: Grete ist ein alter deutscher Name, der die Figur als Deutsche identifizieren soll. Gleichzeitig ist sie aber als Bronzebüste irgendwie antik anmutend – daher Penelope. Der letzte Teil ihres Namens „Mars“ soll die Figur im Äther verorten. Sie ist etwas Übergeordnetes, hat eine Alleinstellung.

Die dauerhafteste Ausstellung des Detroit-Projektes

Die Bronzebüste wurde aus den Mitteln des Detroit-Projektes finanziert und wird Bochum auf lange Sicht erhalten bleiben. Kröck ist froh, dass die Arbeiten daran jetzt abgeschlossen sind: „Wir haben ein Jahr vor Beginn des Detroit-Projektes begonnen, an dem Platz zu arbeiten, und sind jetzt – ein Jahr nach Ende des Projektes – damit fertig.“ Das liegt vor allem daran, dass der Ratsbeschluss auf sich warten ließ und viele verschiedene Parteien von der Idee eines Grete-Penelope-Mars-Platzes überzeugt werden mussten.

Die Benennung dieses Platzes füllt auch eine Lücke, die nach der Schließung von Opel entsteht, denn einige Orte, deren Benennung sich auf Opel bezieht, werden in Zukunft zurückgebaut werden. Für Kröck ein wichtiger Aspekt, um zu zeigen: „Bochum lebt auch ohne Opel weiter!“

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