Detroit-Projekt benennt Platz nach fiktiver Figur

Vorerst letzte Aktion

Bochum hat einen neuen Platz. Er ist zwar noch schwer als solcher erkennbar. Und er ist nach einer Frau benannt, die es gar nicht gibt. Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz freute sich am Sonntag über eine „schöne und gelungene Aktion“, die gleichzeitig einen (vorerst) letzten Ausläufer des Detroit-Projekts darstellt.

WEITMAR

, 27.04.2015, 18:18 Uhr / Lesedauer: 1 min
Detroit-Projekt benennt Platz nach fiktiver Figur

Künstlerin Kristina Buch und die Büste von Grete Penelope Mars.

Dass der Spaziergänger es am Eingang des Wiesentals an der Friederikastraße mit einem Platz zu tun hat, zeigt vor allem das neue, offizielle Straßenschild an: Grete-Penelope-Mars-Platz steht da. „Ich hätte das nie als Platz empfunden“, sagte Ottilie Scholz, „eher als Arrondierung.“

Den Platz als solchen zu verzeichnen und ihm einen Namen zu geben, der offiziell geführt wird, war jedoch scheinbar so schwierig, dass man nicht weiter über seine Gestaltung (und deren Realisierung) nachdenken konnte. Der Gang durch die Institutionen führte schon so zu einer ordentlichen Verspätung. Immerhin versprach Bezirksbürgermeister Marc Gräf, bald für eine Bank zum Verweilen zu sorgen.

Krise beendet

Genau ein Jahr nach der verregneten Eröffnung des Detroit-Projekts am Bergbaumuseum stand am Sonntag Schauspielhaus-Chefdramaturg Olaf Kröck vor der Büste Grete-Penelope Mars‘ und freute sich: „Ich empfinde es als symbolträchtig, dass es nicht regnet. Mit dem Ende des Detroit-Projekts erkläre ich nun auch die Krise als beendet.“

Mit der Krise der Industriearbeit, genauer: dem Weggang des Autobauers Opel aus der Stadt, hat nämlich auch diese Kunstaktion direkt zu tun: Künstlerin Kristina Buch erschuf die Büste der fiktiven Person Grete-Penelope Mars, die nun auf einem Sockel auf dem „Platz“ steht. Mit den Mitteln der Kunst hat sie einen Ort erneuert, anders markiert, umgedeutet. „Opel hat die Stadt 50 Jahre geprägt“, sagte Olaf Kröck, „aber vielleicht kann sie sich neu erfinden.“

Gut für die Statistik

Dass der Platz nach einer Frau benannt ist, tut auch der Statistik gut: „Wir haben 64 Plätze in Bochum“, informierte Ottilie Scholz, „31 sind nach Männern benannt, nur drei nach Frauen.“ Der Rest trage zum Beispiel geographische Namen. Um den neuen Platz zu erkunden, lohnt es, in der Dunkelheit zu kommen: Künstlerin Kristina Buch ist auch Biologin und hat das Experiment unternommen, in einem ungemähten Grasstück hinter der Büste von Frau Mars Leuchtkäfer anzusiedeln. Max Florian Kühlem

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