Deusen - grüne Oase statt Quell übler Gerüche

Stadtteil-Serie / Folge 36

Von der stinkenden Müllhalde zum Bikepark - der Deusenberg ist nur ein Beispiel dafür, wie sich der Stadtteil Deusen gewandelt hat. Bald verschwindet auch das Abwasser der Emscher unter der Erde. Was Sie sonst noch über Deusen wissen sollten, lesen Sie hier.

DEUSEN

, 15.07.2015 / Lesedauer: 4 min
Deusen - grüne Oase statt Quell übler Gerüche

Vom Deusenberg haben Besucher einen wunderbaren Ausblick.

Kurzbiografie

Deusen ist der östlichste Ortsteil des Stadtbezirks Huckarde. Im Norden grenzt Deusen an Ellinghausen, im Osten an Lindenhorst. Im Westen wird es durch Huckarde begrenzt und im Süden trifft es auf den Dortmunder Hafen.

Erstmals erwähnt wurde Deusen im Jahr 1220 als Bestandteil der Vogtei des Grafen von Altena-Isenberg. Spätestens 1512 gehörte Deusen zur Grafschaft Dortmund. Das Industriezeitalter begann für die bis dahin landwirtschaftlich geprägte Region im Jahr 1872. In diesem Jahr wurde der erste Schacht der Zeche Fürst Hardenberg angelegt.

Lage

Heute teilt sich Deusen wie kaum ein anderer Stadtteil in zwei komplett unterschiedlich strukturierte Bereiche. Der nördliche Bereich von der Ellinghauser Straße bis zur Lindberghstraße wird von Eigenheimen dominiert. 234 Häuser davon wurden in den Jahren 1933 und 1934 von arbeitslosen Handwerkern errichtet. Ein Teil der Handwerker durfte anschließend in die Häuser einziehen. Die anderen Wohnhäuser entstanden später und sind heute rund 30 bis 40 Jahre alt.

Südlich der Lindberghstraße im sogenannten Alt-Deusen hat sich vor allem Gewerbe und Industrie angesiedelt. Dort gibt es zum Beispiel eine Leiterfabrik, einen Kühlervertrieb und einen Betrieb, der feuerfeste Produkte entwickelt und herstellt. Auch das Tiefbauamt der Stadt Dortmund betreibt dort einen Betriebshof. Die wenigen Wohnhäuser sind zumeist Mehrfamilienhäuser zur Miete.

Verkehr

Deusen ist durch die Anbindung an die Ellinghauser Straße (L657) aus nördlicher Richtung gut zu erreichen, eine Durchfahrt mit Fahrzeugen über einem Gesamtgewicht von zwölf Tonnen ist allerdings nicht gestattet. Aus südlicher, westlicher und östlicher Richtung erreicht man Deusen über die Franzius-, Lindbergh oder Weidenstraße.

Die Anbindung an das Netz des öffentlichen Nahverkehrs wird von den Buslinien 410 und 475 abgedeckt. Die Linie 410 startet am Huckarder Bushof und fährt im Halbstunden-Takt über Deusen in Richtung Derne und Retour. Die Linie 475 fährt von Mengede über Deusen in die Innenstadt und zurück.

Ausgeh- und Einkaufsmöglichkeiten

In Deusen finden sich nur noch Reste von Einzelhandel. So gibt es im nördlichen Bereich der Deusener Straße einen Bäcker, ein Büdchen und eine kleine Pizzeria. Mit dem Nobel-Steakhaus Hohoffs 800° verfügt Deusen aber über eine Gastronomie, die über Strahlkraft - nicht nur über die Grenzen Deusens hinaus sondern Dortmunds - verfügt.

Im südlichen Bereich besteht außer an einer Tankstelle überhaupt keine Einkaufsmöglichkeit. Daher waren die Deusener auch froh, als 2011 der Lidl-Markt an der nahegelegenen Emscherallee in Huckarde eröffnete. Seitdem brauchen sie nämlich nicht mehr unbedingt zum Einkaufen in den Huckarder Ortskern oder nach Eving.

Wohnumfeld

Der nördliche Teil Deusens gehört sicherlich zu den exklusiveren Wohnquartieren im Stadtbezirk Huckarde. Das erkennt man auch an der Immobilienstruktur. Dort dominieren Ein- und Zweifamilienhäuser im Privatbesitz. Im südlichen Teil gibt es hauptsächlich Gewerbe und Industrie, aber es stehen dort auch einige Mietshäuser.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Das ist Deusen

Biken auf einer renaturierten Mülldeponie - das geht in Dortmund auf dem Deusenberg. Der dazugehörige Stadtteil liegt links und rechts von der Emscher. Weitere Eindrücke aus Deusen gibt's in unserer Fotostrecke.
13.07.2015
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Noch fließen das Abwasser der Emscher oberirdisch. In den nächsten zwei Jahren verschwindet das Dreckwasser aber in Rohren unter der Erde und oberirdisch wird sich nur noch Frischwasser seinen Weg parallel zur Halde bahnen.© Foto: Stephan Schütze
Ein besonderen Anziehungspunkt auch für Nicht-Deusener ist das Freibad Hardenberg. Das Freibad wurde im vergangenen Jahr aufwendig renoviert und bietet Freizeitspaß pur.© Foto: Stephan Schütze
Schmucke alte Häuser zieren die Deusener Straße.© Foto: Stephan Schütze
Biken vor der Skyline von Dortmund. Das geht nur auf dem Deusenberg. Die Bike-Arena verfügt über drei Bahnen unterschiedlicher Länge und unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade. Außerdem hat die EDG auf der ehemaligen Halde insgesamt sechs Kilometer Wanderwege angelegt.© Foto: Stephan Schütze
Auch das gehört zu Deusen: Die Kläranlage der Emschergenossenschaft im Industrieviertel.© Foto: Stephan Schütze
Die evangelische Kirche an der Deusener Straße wurde umgewidmet und wird nun als Gemeindezentrum genutzt.© Foto: Stephan Schütze
Nach der Entwidmung der ehemaligen evangelische Kirche gründete sich ein Förderverein, der das Gebäude zu einem Begegnungszentrum umgestaltet hat. Dort finden regelmäßig auch Konzerte statt.© Foto: Stephan Schütze
Die katholische Kirche liegt an der Deusener Straße.© Foto: Stephan Schütze
Nach der Entwidmung der ehemaligen evangelische Kirche gründete sich ein Förderverein, der das Gebäude zu einem Begegnungszentrum umgestaltet hat.© Foto: Stephan Schütze
An der Ostböschung befindet sich eine Treppe für einen zügigen Rückweg zum Deponierandweg.© Foto: Stephan Schütze
Der Deusenberg ist eine imposante Landmarke. Sogar vom Westerfilder Berg aus ist er gut zu sehen.© Foto: Stephan Schütze
Hinsetzen und genießen. Vom Gipfel des Deusenbergs hat man einen fantastischen Rundumblick.© Foto: Stephan Schütze
Die Bike-Arena auf dem Deusenberg bietet Strecken mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden.© Foto: Stephan Schütze
Unregelmäßig organisieren die Deusener Bewohner auch kleine Konzerte und Gottesdienste auf dem Gipfel des Deusenbergs.© Foto: Stephan Schütze
Südlich der Lindberghstraße befinden sich an der Deusener Straße neben vereinzelten Wohnhäusern vor allem unterschiedliche Gewerbe- und Industriebetriebe.© Foto: Stephan Schütze
Auch dieser Hof steht in Deusen.© Foto: Stephan Schütze
Die Sonne scheint auf den Kanal in Deusen.© Foto: Stephan Schütze
Auch das gehört zu Deusen: Die Kläranlage der Emschergenossenschaft im Industrieviertel.© Foto: Stephan Schütze
Hier fühlt man sich wie auf dem Land.© Foto: Stephan Schütze
Rund 99 Prozent der Häuser im Neuen Deusen sind Eigenheime. © Foto: Stephan Schütze
Kiosk, Bäcker und Pizzeria. Der Einzelhandel ist überschaubar. © Foto: Stephan Schütze
Impressionen aus Deusen.© Foto: Stephan Schütze
Auch extreme BVB-Fans leben in Deusen. © Foto: Stephan Schütze
Vor allem Eigenheime aus den 1930er-Jahren prägen das Wohngebiet Deusen.© Foto: Stephan Schütze
Impressionen aus Deusen.© Foto: Stephan Schütze
Der Deusenberg ist eine ehemalige Müllhalde an der Emscher - und heute ein beliebtes Ausflugsziel.© Foto: Stephan Schütze
Impressionen aus Deusen.© Foto: Stephan Schütze
Früher war die Wache der Freiwilligen Feuerwehr an der Deusener Straße, heute hat der Löschzug seine Heimat am Wulfgraben 30. © Foto: Stephan Schütze
Auch ein Waltroper Gastronom hat sich mit seinem Edel-Steakhaus in Deusen niedergelassen.© Foto: Stephan Schütze
Die Grafen-Grundschule in Deusen.© Foto: Stephan Schütze
Impressionen aus Deusen.© Foto: Stephan Schütze
Schlagworte Deusen

Familientauglichkeit

Es gibt in Deusen eine Kita mit insgesamt 45 Plätzen sowie eine Grundschule. Weiterführende Schulen existieren hingegen nicht. Dazu gesellt sich eine Jugendfreizeiteinrichtung.

Leben im Alter

In Deusen existieren weder Altenheim noch Seniorenbegegnungsstätten, aber die evangelische Kirche ist zum Begegnungszentrum Deusenkirche umgebaut worden, in der sich verschiedene Gruppen treffen.

Stadtteilleben

Für regelmäßige Veranstaltungen sorgen der Förderverein Deusenkirche mit Tanzkursen für Kinder, Tanzen für Erwachsene und Yoga-Kursen. Außerdem bereitet sich die Theatergruppe im Gemeindezentrum zweimal die Woche auf ihre Auftritte Ende des Jahres vor. Dazu bietet dort die VHS montags und dienstags Englisch-Seminare für Ältere an. Gemeinsam mit der Musikschule von Klaus Neuhaus bietet der Förderverein außerdem eine Musikalische Früherziehung an. In Kooperation mit dem Hansa Revier Huckarde (HRH) gibt es dort unter dem Motto „Bühne frei“ unregelmäßig Musikveranstaltungen für Nachwuchsbands. Dazu gesellen sich die regelmäßig stattfindende Gottesdienste.

Auch die Siedlergemeinschaft sorgt für Belebung im Stadtteil. Sie organisieren Ausflüge, Skatturniere, Spielenachmittage oder bietet eine Nachbarschaftshilfe an. Einmal im Jahr gibt es ein Feuerwehrfest und die Adventsfensteraktion (6. Dezember), an der sich viele Haushalte und die Siedlergemeinschaft beteiligen. Aber auch der Sportverein TuS Deusen trägt seinen Teil zum öffentlichen Leben bei.

Unser Tipp

Vor allem, wenn im Sommer die Sonne lacht, bietet sich eine Abkühlung im frisch renovierten Freibad Hardenberg an. Auch ein Besuch des Begegnungszentrums, das durch ganz viel Eigenleistung und ehrenamtliche Arbeit entstanden ist, lohnt sich. Für die rund einstündige Führung inklusive Film über die Entstehung ist allerdings eine Voranmeldung beim Vorsitzenden des Fördervereins, Ulrich Küpper, unter der Rufnummer (0173) 7465016 nötig.

Sie haben noch Hinweise zu Ihrem Stadtteil? Wir freuen uns über Ihren Kommentar unter diesem Artikel.

 

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