Deutsche Arroganz prallt auf südliche Herzlichkeit

Ruhrfestspiele

Eine Leichenhalle, auf dem Tisch eine Urne. Carla (Adriana Altaras) trauert um ihren Vater Agatino, der als Gastarbeiter nach Wolfsburg kam. Eine zweite Frau kommt dazu. "Sie müssen falsch sein", sagt Carla. Irrtum: Maria Grazia (Daniela Morozzi) ist ihre Halbschwester, beide wussten nichts voneinander.

RECKLINGHAUSEN

, 17.05.2016, 11:34 Uhr / Lesedauer: 1 min
Schauspielerin Adriana Altaras

Schauspielerin Adriana Altaras

Mit "Amara terra mia", am Sonntag bei den Ruhrfestspielen gesehen, glückt dem Regie- und Autoren-Trio Matteo Marsan, Dania Hohmann und Ulrich Waller ein großer Wurf.

In 80 Minuten umreißen sie das Leben eines Zuwanderers, erzählen von seiner Zerrissenheit zwischen Deutschland und Italien, fangen das Klima der 60er-Jahre ein, schlagen den Bogen in die Gegenwart, wo die Töchter lernen, dass Papa Agatino zwei Familien hatte.

Panorama von Migration

Filmbilder aus Gastarbeiter-Dokus und alte Schlager sind integraler Teil der Inszenierung. Zu "Schuld war nur der Bossa Nova" bändelt Agatino mit seiner späteren Frau Irene an. Fliegend schlüpfen Altaras und Morozzi in diverse Rollen. Das hat Schwung, da ist Zug drin, auch Biss und bittersüße Komik, wenn deutsche Arroganz auf südliche Herzlichkeit prallt.

Ausgehend von einer (fiktiven) Biografie entrollt sich ein großes, ehrliches Panorama von Migration und Heimatlosigkeit. Altaras und Morozzi sprechen Deutsch und Italienisch, radebrechen mit Akzent, spielen umwerfend gut. Donnernder Applaus.

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