Deutsche blicken pessimistisch in die Zukunft

Aktuelle Studie

Schwindender Optimismus, Sorge und Ängste trotz guter persönlicher Lebenslage und wirtschaftlicher Situation? Die Mehrheit der Deutschen zwischen 30 und 59 Jahren ist laut Analyse des Meinungsforschungsinstitutes Allensbach zwar materiell zufrieden, blickt dennoch eher pessimistisch in die Zukunft. Was stört die Deutschen besonders? Fragen und Antworten zum Thema.

Berlin

von Andreas Herholz

, 08.09.2016, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Deutschlands "Generation Mitte" blickt pessimistisch in die Zukunft

Deutschlands "Generation Mitte" blickt pessimistisch in die Zukunft

Die Ergebnisse der Umfrage unter mehr als 1000 Männern und Frauen im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft wurden am Mittwoch in Berlin vorgestellt. Wie steht es um die Befindlichkeiten der „Generation Mitte“? Woher kommt der Pessimismus der Wohlstandsbürger?

 

Wie schätzt die Gruppe der 30- bis 59-jährigen ihre Lage und die Zukunft ein? Zwar sieht die große Mehrheit der so genannten „Generation Mitte“ die persönliche Situation und die wirtschaftlichen Verhältnisse weiterhin positiv. Allerdings blickt die Mehrheit der 30- bis 59-Jährigen mit immer größerer Sorge in die Zukunft und ängstigt sich über die Entwicklung in Deutschland. Gute bis sehr gute Lebensqualität, materielle Zufriedenheit, aber große Skepsis und Verunsicherung – eine ungewöhnliche, geradezu paradoxe Konstellation. Nur noch 43 Prozent sehen dem kommenden Jahr mit Hoffnungen entgegen. 2015 waren es noch 57 Prozent. Dagegen blicken 42 Prozent eher mit Skepsis und Befürchtungen nach vorn auf die kommenden zwölf Monate. 2015 lag der Wert noch bei nur 30 Prozent. „Trotz einer weiterhin guten persönlichen Bilanz sind die Sorgen der „Generation Mitte“ im Vergleich zum Vorjahr deutlich gewachsen“, so das Ergebnis der Befragung. Zwar bezeichneten 75 Prozent ihre Lebensqualität als gut oder sehr gut und hätten sich außerordentlich zufrieden gezeigt. Dennoch seien die Sorgen im Vergleich zum Vorjahr größer geworden.

 

Wo drückt die Deutschen besonders der Schuh? Die Angst vor wachsender Kriminalität und die Sorge vor Altersarmut stehen im Mittelpunkt. Auch die Themen Migration und Integration bewegen die mittlere Generation. Viele sähen ihren Lebensstandard im Alter in Gefahr. Wachsende soziale Unterschiede und Zuwanderung würden zunehmend kritisch gesehen, heißt es. 60 Prozent fürchteten inzwischen, im Alter Abstriche machen zu müssen – Tendenz steigend. 44 Prozent hat die Sorge, dass ihr Einkommen in den nächsten Jahren nicht mehr ausreichen könnte. Angst vor dem Wertverlust der Ersparnisse, vor Arbeitslosigkeit und Verschuldung nehmen deutlich zu. Die übergroße Mehrheit rechnet bereits mit längerer Lebensarbeitszeit, steigenden Renten- und Kassenbeiträgen und der Notwendigkeit höherer privater Vorsorge. Dabei hätten vier von zehn Teilnehmern der Befragung angegeben, dass ihre wirtschaftliche Lage in den vergangenen fünf Jahren besser geworden sei. Die Verunsicherung der 30- bis 59-Jährigen sei größer geworden, der Zukunftsoptimismus stark zurückgegangen, lautet ein Ergebnis der Analyse. So hielten zwei Drittel die Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland für ungerecht, verteidigten aber dennoch das Leistungsprinzip und lehnten staatliche Umverteilung ab. Der Zusammenhalt in der Gesellschaft, so die wachsende Befürchtung, werde immer schwächer.

 

Wie steht es um die Sorgen beim Thema Innere Sicherheit? 68 Prozent hat den Eindruck, dass die Zahl der Verbrechen in Deutschland allgemein zunimmt. 35 Prozent der Befragten fürchten inzwischen, Opfer eines Einbruchs und/der Diebstahls zu werden. Im Vorjahr waren es noch acht Prozent weniger. Die Zahl derer, die Angst davor haben, Opfer eines Terroranschlages oder eines anderen Gewaltverbrechens zu werden, hat sich mehr als verdoppelt. Etwa ein Viertel befürchtet dies inzwischen. 

 

Wie bewerten die 30- bis 59-jährigen die Flüchtlingspolitik? Die Grundhaltung zu Zuwanderung habe sich verändert, heißt es in der Allensbach-Analyse. Sei von 2004 bis 2014 noch immer mehr Offenheit für Zuwanderung erkennbar gewesen, gebe es inzwischen „eine Trendwende und zunehmende Polarisierung“. Laut der Allensbach-Umfrage hätten sich auch die Einstellungen der „Generation Mitte“ zur Zuwanderung verändert: Während 2014 eher die Chancen der Zuwanderung betont worden seien, würden nun die Risiken stärker gesehen. Zwar erwarte die Mehrheit der Befragten von Flüchtlingen gute Deutschkenntnisse sowie die Akzeptanz der Grundordnung und zentraler Wertvorstellungen für eine gelungene Integration. Doch nur eine kleine Minderheit fordere, dass Zuwanderer auch die kulturellen Eigenheiten des Herkunftslandes ablegen müssten, so die Ergebnisse der Befragung. Die Skepsis über die Integrationschancen von Flüchtlingen sei groß. 67 Prozent hielten diese für „weniger oder gar nicht gut“, 21 Prozent für gut, nur ein Prozent für sehr gut. Dagegen wird die Integration von bereits länger in Deutschland lebenden Migranten als weit überwiegend positiv bewertet.