Diakonie: "Schlafen im Freien ist lebensbedrohlich"

BOCHUM Rund 600 Obdachlose gibt es in Bochum. Zweistellige Minustemperaturen machen vor allem ihnen schwer zu schaffen. Und nicht alle sind bereit ihren Stolz zu überwinden und sich zum Beispiel bei der Wohnungslosenhilfe der Diakonie zu melden. Noch bleibt der Ansturm auf die Einrichtungen aus.

von Von Claudia Picker

, 06.01.2009, 18:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
Karl-Heinz Pauquot ist obdachlos und übernachtet im Fliednerhaus.

Karl-Heinz Pauquot ist obdachlos und übernachtet im Fliednerhaus.

Um 8 Uhr morgens muss er aus seinem Nachtquartier, dem Fliednerhaus, raus. Dann wird er zum Pendler. Um 17 Uhr kann er sich wieder in der Notübernachtungsstelle melden. „Man bekommt das hin“, sagt Karl-Heinz Pauquot. Aber er kenne auch viele, die das nicht wollen. Deren Stolz oder Angst vor dem Eingeständnis, hilfsbedürftig zu sein, zu groß ist. Oder die einfach keine einschränkenden Regeln mögen. Gerlinde Fuisting, Leiterin der Wohnungslosenhilfe der Diakonie, kennt das Problem. Voll belegt sind die Notunterkünfte selten. „Dabei ist es im Moment lebensbedrohlich im Freien zu schlafen“, sagt Fuisting. Besonders wenn Alkohol mit im Spiel sei, werde es kritisch. Das vermeintliche Wärmeempfinden sei eben nur ein vermeintliches. Fuisting appelliert daher auch daran, hilflos wirkende Personen anzusprechen und „im Ernstfall Polizei oder Notarzt zu benachrichtigen“.

Aufgrund der Kälte hat die Bogestra den Bahnhof jetzt auch nachts geöffnet. Für kranke Obdachlose ist zudem der Aufsuchende Medizinische Notdienst da. „Erstaunlicherweise haben wir noch wenig Zulauf“, sagt Jutta Niederkinkhaus. „Die Menschen sind hart im Nehmen.“ So auch Karl-Heinz Pauquot. Er lässt sich nicht unterkriegen. Stapft mit einem Freund zum nächsten Treffpunkt. Und dann macht auch das Fliednerhaus bald wieder auf.