Dialog zwischen Arbeitsagentur und Arbeitslosen

"Klartext" in Bochum

"Wir reden Klartext" – das war das Motto, unter dem die Arbeitsagenturen für Bochum und Herne am Freitag einluden. Das Besondere daran: Die Veranstaltung richtete sich speziell an Arbeitslose, die sich mit Vertretern aus Politik, Gewerkschaft und Verwaltung austauschen sollten.

BOCHUM

, 12.03.2016, 08:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dialog zwischen Arbeitsagentur und Arbeitslosen

Sprachen Klartext: Luidger Wolterhoff (v.l., Chef der Agentur für Arbeit in Bochum und Herne), Elif Genc, Hernes Sozialdezernent Johannes Chudziak, Thomas Sadrozinski und Johannes Motz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Ruhr

Dabei standen die Schilderung ihrer Sicht auf die Arbeitsmarktsituation und Hinweise auf problematische Strukturen im Fokus. "Wir wollen miteinander reden, anstatt übereinander", betont Luidger Wolterhoff, Leiter der Agentur Bochum. Rund 150 Arbeitslose waren der Einladung der Arbeitsagenturen in die Rewirpower-Lounge des Ruhrstadions gefolgt – eine erfreuliche Resonanz, wie Wolterhoff findet: "Wir haben zwischenzeitlich mit weniger Teilnehmern gerechnet."

Strukturen der Vermittlung

Doch das Bedürfnis nach Austausch war groß und Diskussionsstoff gab es genug. Unter acht verschiedenen Überschriften konnten die Teilnehmer sich zusammenfinden, über ihre Anregungen sprechen und ihre Kritik zum Ausdruck bringen. Konkret ging es dabei vor allem um Strukturen von Vermittlung, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und den sozialen Arbeitsmarkt.

Genug Stoff für Diskussionen gab es also allemal, wie Teilnehmerin Elif Genc erzählte: "Viele Strukturen bei der Arbeitsvermittlung sind problematisch. Die persönlichen Stärken werden kaum beachtet und es gibt keine konstanten Ansprechpartner." Hinweise, die die Verantwortlichen gerne aufnehmen möchten: "Wir wollen die Ergebnisse, die wir aufgeschrieben haben, nicht einfach einrollen und verstauen, sondern konkret daran arbeiten, um etwas an der Situation zu verbessern", verspricht Wolterhoff.

"Vielleicht übermorgen"

Genc sieht dem mit Hoffnung entgegen: "Ich erwarte nicht, dass sich morgen etwas tut, aber vielleicht übermorgen." Allein die Tatsache, dass eine solche Veranstaltung stattfindet, hat Genc positiv überrascht. Die Art und Weise der Veranstaltung zeuge von "ehrlichem Interesse" und gebe ihr Hoffnung "dass sich etwas tut".

Weniger hoffnungsvoll zeigte sich Teilnehmer Thomas Sadrozinski. Der gelernte Industrieschlosser arbeitet ab dem nächsten Monat als Parkanweiser und verdient weniger Geld als das, was er bisher als Sozialleistung bekommt. Für ihn war die Veranstaltung zwar ein Schritt in die richtige Richtung, doch einen großen persönlichen Nutzen sehe er nicht. "Es muss noch viel mehr an die Arbeitgeber herangetragen werden", findet Sadrozinski.

Den Dialog erweitern

Ein Aspekt, den auch Johannes Motz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Ruhr, für sinnvoll hält: "Wir müssen den Dialog erweitern, ohne aus einer Begegnung zwischen Arbeitgebern und Erwerbslosen eine Jobbörse zu machen."