Die Achillesferse der Inklusion

Hilfsmittel an Schulen

Die Mutter eines rheumakranken Mädchens braucht ein halbes Jahr, damit für ihr Kind ein zweiter Satz Bücher in der Schule liegen kann. Für die Toilette neben seiner Klasse bekommt ein nierenkranker Junge erst nach neun Monaten einen Schlüssel.

WITTEN

20.03.2014, 18:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Achillesferse der Inklusion

NRW-Bildungsministerin Sylvia Löhrmann (M.) eröffnete die Tagung zur Hilfsmittelversorgung von Kindern und Jugendlichen in der Universität mit einem kurzen Vortrag zur Inklusion.

Kocks hat chronisch kranke Kinder und deren Eltern zu ihren Erfahrungen im Regelschulsystem befragt. Das Spektrum der in den Schulen notwendigen Hilfsmittel, so machte er gestern deutlich, reiche weit über Barrierefreiheit und Aufzüge hinaus. Eröffnet wurde die Tagung von NRW-Bildungsministerin Sylvia Löhrmann. Sie stellte gleich am Anfang klar, dass die NRW-Regierung nicht den Anspruch erhebe, bei der Inklusion auf Anhieb alles richtig zu machen: „Wir haben ein erstes Gesetz dazu und es werden weitere folgen. Die Inklusion ist eine Generationenaufgabe und wir wollen das behutsam angehen.“

Die Ministerin zeigte Verständnis dafür, dass es für Eltern belastend sei, „wenn für das 15-jährige Kind die Krankenkasse für Hilfsmittel an die Schul- und Sozialämter der Kommune oder die Rentenversicherung verweist“. „Für die Betroffenen muss es zu einer Klärung der Zuständigkeiten und einer Vereinfachung der Beantragung kommen“, sagte die Ministerin, ließ aber offen, wann Eltern mit Verbesserungen rechnen können. Überhaupt, so Löhrmann, käme es vielleicht nicht so sehr auf Ausstattung als auf die Haltung der Menschen zur Inklusion an. Andreas Kocks erläuterte in seinem Vortrag, dass die Kindern mit denen er gesprochen habe, vor allem eines wollten: „Sie wollen sein wie alle anderen Kinder. Sie wollen nicht ständig erklären müssen.“

Lehrer, so hat er in seiner Studie festgestellt, hätten vor allem Angst im Umgang mit kranken Kindern. Wenn ein Kind krank sei, seien in Schulen meist der Hausmeister oder die Sekretärin zuständig. Ganz schnell würden die Eltern gerufen. Doch Kock sieht eine einfache Lösung für alle Schulen, besonders jetzt, wo die Inklusion kommen soll: „Man sollte das Thema Krankheit in den Schulen Menschen überlassen, die etwas davon verstehen. In den skandinavischen Ländern gibt es in jeder Schule eine Krankenschwester, die gut zu tun hat. Jede von ihnen hat täglich 30 bis 50 Kontakte zu den Schulkindern. Und ich glaube nicht, dass Kinder in Skandinavien häufiger krank sind als hier.“

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