„Die andere Seite der Hoffnung“ ist ein Festival-Höhepunkt

Berlinale

Zeit für große Künstler: Der Wettbewerb der 67. Berlinale bietet Begegnungen mit dem preisgekrönten, finnischen Regisseur Aki Kaurismäki und dem verstorbenen Aktionskünstler Joseph Beuys.

BERLIN

von Patrick Wildermann

, 14.02.2017, 17:22 Uhr / Lesedauer: 2 min

Europa heute: Versteckt im Kohlenschlepper gelangt der junge Syrer Khaled (Sherwan Haji) nach Finnland. Er duscht, beantragt Asyl, wird abgewiesen und taucht unter. Auf seiner neuerlichen Flucht begegnet er Wikström (Sakari Kuosmane).

Der ist ein ehemaliger Krawattenhändler, der seiner Frau den Ehering hingeworfen und ein abgewirtschaftetes Restaurant in Helsinki übernommen hat. Auch ein Suchender also. Wikström stellt Khaled als Putzkraft und Tellerwäscher an und lässt ihn im Restaurant wohnen. Ein Happy End? Das bleibt offen.

"Die andere Seite der Hoffnung" heißt der jüngste Film des Finnen Aki Kaurismäki ("Leningrad Cowboys", "Wolken ziehen vorüber"). Er ist ein Höhepunkt im diesjährigen Berlinale-Wettbewerb. Mit der ihm eigenen Lakonik und einem Soundtrack aus finnischen Schlagern erzählt der Regisseur von der Furcht vor dem Fremden und dem Ringen um Identität.

Was in einer wunderbar komischen Szene gipfelt, in der Wikström seinen Laden zum Sushi-Restaurant umfunktioniert, aus Mangel an authentischen Zutaten, dann aber eingelegte Salzheringe mit bergeweise Wasabi servieren muss.

Kaurismäki lässt auf der Pressekonferenz keinen Zweifel daran, dass er sich einen anderen, menschlicheren Blick auf Geflüchtete wünscht. "Ich bin sehr bescheiden. Deswegen will ich nicht die Zuschauer ändern, sondern die ganze Welt", scherzt er. Und auf die Frage, was er über die "Islamisierung Europas" denke, kontert er: "Die Islandisierung? Ich weiß nur, dass die Isländer gut Fußball spielen".

Schöpfer von Filzpiano und Honigpumpe

Hintergründigen Humor besaß auch ein anderer Künstler, auf den der Wettbewerb der Berlinale den Fokus richtet: Joseph Beuys. Dem setzt der brillante Dokumentarfilmer Andres Veiel ("Black Box BRD") ein Denkmal - fast vollständig aus Archivmaterial montiert.

In Selbstzeugnissen und Interviews erleben wir den Schöpfer von Filzpiano und Honigpumpe als blitzgescheiten, witzigen stets streitbaren politischen Provokateur, der in vielerlei Hinsicht seiner Zeit voraus war. "Beuys" zeigt einen Radikalen, von dem man - so Veiel in einem Interview - lernen könne, die Zukunft nicht den Populisten zu überlassen: "Es lebe der Hase!"

Weitere Infos zur Berlinale und den Wettbewerbs-Filmen gibt es .

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