Die Autobahn kommt immer näher

Heute Spatenstich zur Erweiterung der A 40 / Protest von Initiativen / Für Klage auf Urlaub verzichtet

16.05.2007, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nicht nur den vom brausenden oder stockenden Verkehr auf dem ?Ruhrschnellweg?, sondern auch von Protestlern verschiedener Gruppierungen, die seit Jahren gegen die Erweiterung kämpfen; auch Grüne, PDS, Soziale Liste sind gegen das Projekt. Wittkes CDU-Parteifreund Roland Mitschke, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses der Stadt Bochum, hat sich gestern dagegen noch deutlich für den Ausbau zwischen Stahlhausen und Gelsenkirchen ausgesprochen: ?Für die ganze Region ist damit eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse verbunden.? Weniger Staus, weniger Feinstaubbelastung, das verspricht auch ein Gutachten eines Aachener Ingenieurbüros: Zwei Spuren mehr sollen danach nur zusätzlich 600 Kfz-Fahrer mehr auf die A 40 locken, die zurzeit von fast 120 000 befahren wird. ?500 davon kenne ich schon persönlich?, kommentiert Werner Dechardt diese Aussage sarkastisch. Der Sprecher der Initiative für bessere Wohnqualität an der A 40, rechnet vielmehr mit einem erheblichen Anschwellen des Verkehrsstroms, weil viele Bahnfahrer dann auf den PKW umsteigen und andere, auch LKW, Abkürzungen oder Umwege vermeiden und auf die Autobahn drängen würden. Dechardt selbst ist schon seit Jahren einer der vielen geplagten Anwohner in Wattenscheid, längs der Schlagader des Reviers. Sein Garten in der Buschstraße grenzt ebenfalls direkt an die Schnellstraße. Die Einliegerwohnung in seinem Einfamilienhaus kann er schon lange nicht mehr vermieten: ?Es gäbe zwar Mieter, aber die wollen dann nur mietfrei wohnen?, hat er inzwischen resigniert. In der Hauptsache aber ebensowenig wie die Familie Lange in der Wibbeltstraße: Beide gehören zu den sechs Klägern gegen den Planfeststellungsbeschluss, der im Hauptverfahren noch vom OVG Münster geprüft wird. Einen fünfstelligen Betrag mussten die Kläger vorschießen. Das ist vielen schwer gefallen und war nur durch Spenden der Mitglieder und persönlichen Verzicht möglich: ?Dafür haben wir sogar unseren Urlaub aufschieben müssen?, räumt Klaudia Lange wehmütig ein. Sie steht am Isolierfenster, das den Lärm von der nur ein paar Meter entfernten Autobahntrasse kaum dämmen kann und blickt auf die hohe graue Betonmauer, die die Terrasse fast erdrückt. ?Manchmal?, sagt sie, grillen wir draußen noch, aber gegessen wird dann drinnen; man kann ja sonst keine Wort verstehen.? Die Mauer wird durch die Verbreiterung noch wachsen ? und sie glaubt fest: Lärm und Abgase auch. Es sei denn, das Gericht würde den Ausbau doch noch stoppen. Joachim Stöwer Hier und heute