Die bewegte Vergangenheit der Schillerschule

Folge 181

Im Jahr 2019 wird die Schillerschule an der Königsallee offiziell ihr 100. Jubiläum feiern. Im Lauf seiner Geschichte hat das heute knapp 1000 Schülerinnen und Schüler sowie circa 60 Lehrkräften umfassende Gymnasium Standort und Namen gewechselt und musste sogar zehn Jahre im „Exil“ verbringen.

BOCHUM

von Frank Dengler

, 29.06.2016, 12:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Ursprung der Schule lässt sich bis in das Jahr 1913 verfolgen. Damals war die „Städtische Höhere Mädchenschule“ in der Innenstadt (siehe Folge 68 unserer Serie im Internet) zu klein geworden.

Deshalb lagerte man einige Klassen aus und brachte sie provisorisch in einem Privathaus im Ehrenfeld unter. Diese „Zweiganstalt“ wurde 1919 als „Lyzeum II“ selbständig, ein Jahr später erfolgte die Angliederung der „Realgymnasialen Studienanstalt für Mädchen“. Die Zeichen standen also auf Wachstum - was noch fehlte, war ein eigenes Schulgebäude.

Dieses wurde ab 1926 von Stadtbaurat W. Sohm geplant und auf einem großflächigen Grundstück zwischen Königsallee, Waldring und Ostermannstraße errichtet. Die Ansichtskarte stammt aus der Zeit kurz nach der Einweihung im Dezember 1929.

Waldring

Das lang gestreckte Klinkergebäude ist in mehrere Baukörper mit Walmdächern gegliedert und orientiert sich mit der Schauseite zur Königsallee, während der Haupteingang mit Freitreppe am Waldring liegt (links, daneben die Aula). Mit hellem Muschelkalk sind das hohe Sockelgeschoss und die Rahmungen der Fenster und Türen verkleidet. An der Königsallee erhebt sich zwischen zwei vorspringenden Flügeln ein sehr schlanker Uhrenturm, der zum Wahrzeichen der Schule wurde.

Insgesamt zeigt der Schulbau einfache, sachliche Formen und verzichtet weitgehend auf Bauschmuck. Dennoch ist durch die Kombination der Baukörper und verschiedene Fensterformate ein abwechslungsreiches Gebäude entstanden, dessen funktionale Bereiche (Aula, Turnhalle, Klassentrakte, Fachräume, Verwaltung) von außen klar ablesbar sind.

Hier zeigen sich reformpädagogische Bestrebungen der 1920er Jahre, welche die geschlossene preußische „Schulkaserne“ der Kaiserzeit ablehnten. Innen wurde viel Wert auf gute Belichtung und Belüftung sowie Bewegungsfreiraum für die Schülerinnen gelegt. Der auf der Innenseite offene Uhrenturm enthielt ursprünglich in jeder Etage einen Trinkwasserbrunnen.

Die Architektursprache war allerdings nicht so modern, dass sie die NSDAP davon abgehalten hätte, das Gebäude 1942 für ihre Zwecke zu beschlagnahmen. Als neuer Sitz der „Gauverwaltung Westfalen-Süd“ ersetzte es deren vorherigen Standort in der Westfalenbank. So musste die Schillerschule, wie sie seit 1937 hieß, das Haus verlassen, und die NS-Gauleitung ließ es repräsentativ umbauen. Dem Eingang wurde eine schwere, neoklassizistische Umrahmung vorgesetzt. Eingangshalle und Treppenhaus erhielten monumentale Kassettendecken und mit Naturstein (u.a. schwarzer Marmor) verkleidete Pfeiler, Wände und Fußböden.

Obwohl das Gebäude im Krieg nur teilweise beschädigt worden war, konnte die Schule 1945 noch nicht an ihren alten Standort zurückkehren. Stattdessen diente er als provisorischer Sitz der ARAL-Verwaltung. Die Schillerschule musste sich mit der Graf-Engelbert-Schule (Folge 30) Räume in der Drusenbergschule im Schichtbetrieb teilen. Erst 1952 konnte sie wieder ihr altes Gebäude beziehen.

Neubauten

In jüngerer Zeit machte die Schillerschule durch Neubauten von sich reden. 2002/03 setzten die Architekten Klein & Neubürger zwei turmartige Glastrakte mit sechs Klassenräumen vor die Fassade mit dem Uhrenturm. Trotz ihrer Transparenz erfuhren sie nicht wenig Kritik (unter anderem durch die Kortumgesellschaft), da sie den schlanken Turm regelrecht „in die Zange“ nehmen und das ursprüngliche Erscheinungsbild stark verändern. Die Schule war bereits in die Denkmalliste eingetragen, doch der Anbau erfolgte ohne Absprache mit der Denkmalpflege.

2016 wurde ein weiterer Neubau eingeweiht, der eine Mensa und einen Raum für die Ganztagsbetreuung enthält. Mit diesem frei stehenden Flachbau aus Holz, Stahl und Glas zeigte das Büro Banz & Riecks, wie im Umfeld denkmalgeschützter Gebäude durchaus modern und selbstbewusst gebaut werden kann, ohne den Altbau zu dominieren.