Die Bühne ist der beste Karten-Trick

"Playing Cards 1"

Diese Bühne ist eine runde Sache. Ein drehbares Wunderwerk bildet das Herz des Theaterstücks "Playing Cards" im Salzlager der Essener Kokerei Zollverein. Doch im Text geht es nicht etwa ums rote Herz, sondern um die pechschwarze Kartenfarbe Pik. Und darum, wie schnell wir Menschen alles verspielen, was wir lieben.

ESSEN

von Von Bettina Jäger

, 23.09.2012, 16:35 Uhr / Lesedauer: 1 min
"Playing Cards 1: Spades" fasziniert durch die extrem wandlungsfähige Rundbühne.

"Playing Cards 1: Spades" fasziniert durch die extrem wandlungsfähige Rundbühne.

"Playing Cards 1: Spades" ist der Auftakt eines Theaterprojektes von Robert Lepage. Am Freitagabend auf Zollverein feierte es seine Deutschlandpremiere. Der erste Teil mit dem Untertitel "Spades (die "Schwerter" entsprechen unserem Pik) ist bis Mittwoch auf Einladung der Ruhrtriennale in Essen zu sehen. Drei weitere Teile sind geplant.Lepage inszeniert auch schon für Peter Gabriel

Regisseur Robert Lepage hat schon für den Cirque du Soleil und den Musiker Peter Gabriel inszeniert. Auch das Triennale-Publikum kam aus dem Staunen kaum heraus. Die Bühne von Jean Hazel entpuppte sich als Triumph der Theatertechnik. Hotelzimmer fahren hinauf und herunter, Zimmertüren stellen sich wie von Geisterhand aus der Fläche auf. Im Minutentakt verwandelt sich das Rondell in Schwimmbad oder Spielkasino, Kantine oder Kaserne. Weil sich der Riesen-Teller außerdem noch dreht, können verzweifelte Spieler oder Soldaten scheinbar endlos durch die Wüste marschieren.Zwischen Las Vergas und dem Irak

Denn zwischen diesen Polen - dem Spielerparadies Las Vegas und dem Einmarsch der US-Arme in den Irak 2003 - changiert die Handlung. Mal sehen wir ein junges Paar, das den sexuellen Verlockungen von Vegas erliegt und darum sein Baby verlieren wird. Mal den Spielsüchtigen, von dem sich Frau und Geliebte anwenden. Mal den Soldaten, der den Tod sucht. Sechs virtuose Schauspieler plus sieben Techniker unter der Fläche realisieren dieses filmische Wechselspiel der Szenen.Zuschauer zeigten sich begeistert

Und der Sinn der Sache? So wie die Spielkarten als Symbol des Glaubens (im Schlager "Das Kartenspiel" von Bruce Glow) oder des Teuflischen dienen können, zeigt Lepage den Weg in den Abgrund, aber auch die mystisch überhöhte Erlösung. Eine ziemlich moralische Botschaft, die doch etwas zügiger als in fast drei Stunden ohne Pause hätte erzählt werden können. Begeisterter Applaus.

Karten unter Tel. (0700) 20 02 34 56.