Die bunte und ironische Welt der Pop-Art

Kunstmuseum Mülheim

In der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen läuft seit einigen Wochen die Schau "American Pop Art". Im Mülheimer Kunstmuseum ist jetzt die deutsche Variante dieser Kunstrichtung zu sehen: "I like Fortschritt - German Pop reloaded".

MÜLHEIM

07.03.2016, 14:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Winfred Gauls Werk „I like Fortschritt“  aus dem Jahr 1964 gab der Mülheimer Pop Art-Ausstellung den Titel.

Winfred Gauls Werk „I like Fortschritt“ aus dem Jahr 1964 gab der Mülheimer Pop Art-Ausstellung den Titel.

Der Ausstellungstitel ist dem gleichnamigen Gemälde "I like Fortschritt" von Winfried Gaul aus dem Jahr 1964 entlehnt. Grüne Farbe quillt aus einem lila Tubenhals auf einen gelben Kreis, das Werk mit dem ironischen Titel wirkt wie ein Reklameschild.

"Massenware und Massengeschmack haben sich als neue Stimulanz erwiesen", so der Ex-Informel-Künstler Gaul 1963. Mit der Pop Art werden Produktwerbung und Alltagsgegenstände zu bildwürdigen Themen. So löst Anfang der 1960er-Jahre eine neue Gegenständlichkeit, die auf das Zeitgeschehen Bezug nimmt, Abstraktion und Informel der Nachkriegszeit ab.

Neue Techniken

Neue Techniken (Siebdruck, Offsetdruck, Spritzpistole) halten Einzug in die Kunst, die durch Multiples und Grafiken erschwinglicher wird ("Kunst für alle"). Die Handschrift des Künstlers tritt in den Hintergrund, wird doch nun auch aus "fremden" Bildvorlagen geschöpft, und damit steht auch die Frage von Original und Reproduktion zur Disposition.

Die Mülheimer Sonderschau präsentiert 37 Künstler mit mehr als 100 Werken (die meisten stammen aus der Kölner Sammlung von Hartmut Kraft), in sechs Themenbereiche gegliedert.

Fantasie-Verkehrsschilder

Zeichen und Symbole führen zu neuen Bildfindungen: Neben Gauls Fantasie-Verkehrsschildern schafft Gernot Bubenik von Schautafeln inspirierte Querschnitte erotisch aufgeladener Pflanzenquerschnitte.

Ferdinand Kriwet kreiert aus Buchstaben Objekte, sogenannte Text-Signs und Sehtexte. Ebenso erfährt das Landschaftsbild eine Neuerung. In Reaktion auf die (auto-) mobile Konsumgesellschaft schafft Werner Nöfer Siebdrucke, in denen die Landschaft durch technische Geräte oder Auto-/Flugzeugfenster zu sehen ist. Peter Brüning übermalt Straßenszenen-Fotos mit kartografischen Symbolen.

Verführerinnen

Politische Arbeiten hat vor allem Wolf Vostell geschaffen: "B 52 Lippenstift bomber" aus dem Jahr 1969 ist eine Ikone der deutschen Pop Art.

Auch kehrt das Abbild des Körpers in die Kunst zurück - über Werbung und Fotografie: die Verführerinnen der Wirtschaftswunderzeit. Werner Berges zeigt die Models ihrer Funktion entkleidet.

Feuer im Weizen

Thomas Bayrle setzt in seinen erotischen Grafiken "Feuer im Weizen" aus der Verwendung der selben Figur eine große zusammen - eine bildnerische Metapher für die Massengesellschaft.

Fritz Köthe konzentriert sich auf die Werbeplakate, malt sie in altmeisterlicher Technik auf Leinwand - einschließlich Abrisskanten und Knicken. Und Otmar Alt schafft eine stark abstrahierte, bunte Fantasie-Figurenwelt.

Rabatte und Exkursion

  •  Kunstmuseum Mülheim: „I like Fortschritt“ – German Pop reloaded“, Synagogenplatz 1, bis 8.5., Di-So und Ostermontag 11-18 Uhr, 1.5. geschlossen, Katalog: 24 Euro, Eintritt 4 Euro.
  • Bei Vorlage der Pop-Art-Eintrittskarte des anderen Museums wird ein Rabatt von 50 Prozent auf den Eintrittspreis gewährt.
  • Der Mülheimer Kunstverein organisiert am 14. April eine Tagesfahrt zur Mülheimer Ausstellung und zur „American Pop Art“ in Oberhausen mit einem Abstecher zur Ruhr-Universität Bochum, wo Werner Nöfer und Ferdinand Kriwet Kunst am Bau geschaffen haben. Abfahrt: Oberhausen 9.30 Uhr, Mülheim 10 Uhr, jeweils vor dem Museum; Kosten: 24 Euro ohne Eintritt, Anmeldung: Tel. (0208)381618.

 

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