Die Ehefrau war der Star in Nelsons Dvorák-Abend

Konzerthaus Dortmund

Riga, Boston, Luzern, Wien, Dortmund, viele Gastdirigate in Weltmetropolen. Und ab 2018 auch noch Leipzig. Andris Nelsons hat ein gewaltiges Pensum zu absolvieren.

DORTMUND

, 05.06.2017 / Lesedauer: 2 min
Die Ehefrau war der Star in Nelsons Dvorák-Abend

Kristine Opolais war Solistin im Konzert ihres Ehemannes Andris Nelsons im Konzerthaus Dortmund.

Dabei wirkt der 39-jährige Lette nicht mehr so frisch und agil wie früher. Am Samstag führte er sein neues Ensemble, das Leipziger Gewandhaus-Orchester, ins Konzerthaus Dortmund, überließ es aber im ersten Teil des Dvorák-Smetana-Programms seiner Ehefrau Kristine Opolais, das Publikum zu begeistern.

Kleid mit Nixenschnitt

Die ein Jahr jüngere Sopranistin ist seit ihrer sensationellen Rusalka in München eine Traumbesetzung für Dvoráks Meerjungfrau. Im Kleid mit Nixenschnitt verzauberte sie das Publikum im ausverkauften Saal mit einem innig gesungenen "Lied an den Mond" und der ebenso ruhig fließenden "Als die alte Mutter sang" aus den "Zigeunermelodien".

Opolis ist nicht mehr die mädchenhafte Rusalka, ihr größerer, vibratoreicherer Sopran ist auf dem Weg ins dramatische Fach: Smetanas "Dalibor"-Arie passte vorzüglich zu ihrem farbenreichen Edelsopran.

Mit der Polonaise aus der "Rusalka" hätte das Orchester diese Dramatik gut vorbereiten können. Aber Nelsons und das Gewandhausorchester scheinen noch nicht ganz warm miteinander zu sein. Der Polonaise und auch Dvoraks "Othello"-Ouvertüre zu Beginn mangelte es nicht an Lautstärke, aber es fehlte das Spritzige, Mitreißende.

Aus der Neuen Welt

Wohin der gemeinsame Weg zwischen Orchester und Dirigent führen kann, hörte man in der "Sinfonie aus der Neuen Welt". Die klang differenzierter, hatte Spannung, und nicht jedes Tutti der 60 Streicher wirkte massig und mächtig, sondern war (auch im "Slawischen Tanz" als Zugabe) viel feiner ausgearbeitet.

Nelsons lauert nicht mehr wie früher am Pultrand darauf, Inspirationen ins Orchester zu tänzeln; er lehnt oft am Gestänge des selbst mitgebrachten Pultes. Und das quietschte zuweilen störend. Da hilft ein Tropfen Öl, für den Rest vielleicht zwischendurch etwas mehr Ruhe.