Die Energie sprudelt nur so aus Jan Lisiecki heraus

Klavier-Festival Ruhr

Es läuft und läuft und läuft für Jan Lisiecki. 2012 wurde der Wunderknabe aus Kanada erstmals vom Publikum im Ruhrgebiet entdeckt. Damals war er 17 und ein "Junger Wilder" im Dortmunder Konzerthaus. Wer Lisiecki am Montag beim Klavierfestival Ruhr im Bochumer Musikforum erleben wollte, musste seine Karten schon lange im Voraus reserviert haben.

BOCHUM

, 27.06.2017 / Lesedauer: 2 min
Die Energie sprudelt nur so aus Jan Lisiecki heraus

Jan Lisiecki begeisterte beim Klavier-Festival Ruhr in der Philharmonie Essen.

Seit 2012 gastiert Lisiecki regelmäßig in der Region. Erst Ende Mai trat er in der Philharmonie Essen auf. Und doch ist der große Wirbel um den mit 22 Jahren immer noch sehr jungen, sehr virtuosen Tastenkünstler längst nicht verebbt.

"Nachtstücke" zum Finale

Die "Nachtstücke", mit denen das Klavier-Festival sein Rezital überschrieben hatte, sparte sich Lisiecki für den späteren Abend auf. Zunächst bekam das Publikum, was es überwiegend wohl auch erwartet hatte: fliegende Finger, die einem geradezu den Atem rauben.

Bereits die Tempi, in denen dieser junge Draufgänger Bachs a-moll-Partita angeht, zeugt von Entschlossenheit und völliger Angstfreiheit vor irgendeiner technischen Tücke. Keine Spur von nüchterner Analytik, und doch hat die Gestaltung durchweg Hand und Fuß.

Rasante Technik

Von Chopins titelgebenden Nocturnes erklingen inklusive Zugabe gerade einmal vier. Sie bilden die Ruhepunkte zwischen den Bravourstücken und dienen als Beweis lyrischer Gestaltungskraft. Die hat er zweifellos, doch dieses Programm lebt vom virtuosen Funkeln eines h-moll-Scherzos oder der Grande Polonaise in Es. Sie bieten dem Sohn polnischer Eltern das Vehikel, die enorme Energie loszuwerden, die aus ihm nur so heraussprudelt.