Die Essener Nofretete ist ins Museum Folkwang zurückgekehrt

Abschiedsausstellung

Nicht viele Menschen wissen, dass auch das Folkwang-Museum eine Büste der ägyptischen Königin besitzt. Jetzt ist die Kostbarkeit wieder zu sehen.

Essen

, 05.01.2018, 12:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Essener Nofretete ist ins Museum Folkwang zurückgekehrt

Der „Kopf der Nofretete“ war lange nicht öffentlich ausgestellt.Foto: Nober/Museum Folkwang

Natürlich ist die andere Version berühmter. Fast jeder Berlin-Besucher eilt auf die Museumsinsel, um den farbigen Kopf der Nofretete zu bewundern, den der Bildhauer Thutmosis 1353 und 1336 vor Christus aus Kalkstein und Gips geschaffen hat.

Der Kopf ist das Prunkstück im Raum

Wer dagegen die Essener Nofretete aus Kalkstein schlug, wissen wir nicht. Ihr Gesicht ist jedoch ebenso edel – und sie hat den Vorteil, dass keine Reise nach Berlin notwendig ist. Der Kopf ist das Prunkstück der qualitätvollen Ein-Raum-Ausstellung „Nofretete, Ramses und Osiris“ im Museum Folkwang.

Der kürzlich verstobene Museumsdirektor Paul Vogt hatte sie 1961 mit Hilfe des Düsseldorfer Bankhauses Trinkaus & Burkhardt aus dem Kunsthandel erworben. Die Wissenschaft nimmt an, dass der 31 Zentimeter hohe Kopf eine der 14 Grenzstelen schmückte, die die königliche Residenz des Pharaos Echnaton im heutigen Tell el-Armana umringten.

Echnaton (1377-1358), dessen Hauptgemahlin Nofretete war, gilt heute als einer der ungewöhnlichsten Pharaonen der ägyptischen Geschichte.

Der „Ketzerpharao“ revolutionierte die Kunst

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern, die eine vielfältige Götterwelt verehrten, erhob er den Sonnengott Aton zum Herrscher über alle Götter, entmachtete die Priesterkaste und änderte seinen Namen, der zuvor Amenophis IV. gelautet hatte.

In seiner neuen Hauptstadt Achteaton, von der nur noch Ruinen übrig sind, revolutionierte der „Ketzerpharao“ die Kunst. Die abstrakten Darstellungen verschwanden, Menschen wurden naturalistischer dargestellt, die lebendigen Pflanzen und Tier-Motive sind bis heute berühmt. Nachfolgende Generationen von Pharaonen taten jedoch alles, um diese Epoche und die Erinnerung daran auszulöschen.

Nase und ein Ohr waren beschädigt

Ob darum die Essener Nofretete so mitgenommen ist? Oder war es der Zahn der Zeit? Die Nase, das rechte Ohr und Teile des Kinns fehlen der überirdisch schönen Frau. Die Uräus-Schlange an ihrer Krone – ein Symbol des Schutzes – ist wohl gewaltsam abgeschlagen worden.

Doch die Schau erinnert nicht nur an die Zeit Echnatons. Die Ägyptische Sammlung des Folkwang-Museums umfasst rund 150 Objekte. Gekauft hatte sie Folkwang-Gründer Karl-Ernst Osthaus Anfang des 20. Jahrhunderts. Zum großen Teil sind sie nun im „Helm“ – der wabenförmigen Holzkonstruktion des kubanischen Künstlerduos „Los Carpinteros“ – zu sehen.

Abschiedsausstellung von Kurator Mario-Andreas von Lüttichau



Die Mumienmaske eines jungen Mannes entstand um 50 nach Christus. Gefäße für Öle, Salben und Schminke sind von schlichter Schönheit. Die steinerne Doppelstatue des „Vorstehers der Goldbergwerke des Amun“ Wersu und seine Gemahlin Sat-Ra aus der Zeit des Amenophis II. (1426-1400 v.Chr.) zeugen von der Eleganz und Kultiviertheit dieser Zeit.

Weil Hinweisschilder im „Helm“ schwierig zu lesen wären, hat Kurator Mario-Andreas von Lüttichau in seiner Abschiedsausstellung – er ist mit ihrem Beginn in den Ruhestand gegangen – eine pfiffige Lösung gefunden. Auf einem Tablet kann der Besucher die Position des Objektes in der wabenförmigen Konstruktion ansteuern, durch einen Doppelklick erhält man dann alle Informationen.