Die Flucht vor den geheimen Begierden

Theater-Premiere

"Fluchtshow" heißt die neue Nummernrevue von Witold Danielczok, die das Zeitmaul-Theater im Thealozzi-Haus vor ausverkauftem Saal zeigte. Als Inszenierung des Autors hielt sie der Gesellschaft den Spiegel geheimer Obsessionen vor, provozierte dabei Irritationen ebenso wie wissendes Lachen.

BOCHUM

, 05.12.2014, 16:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Flucht vor den geheimen Begierden

Susan Lachermund sang den Flucht-Song, die große Schlussnummer des aus vielen Monologen gefügten Stückes.

Im Saal ohne Vorhang saßen die Darsteller bereits auf der Bühne, abgewandt die einen, gelangweilt das hereinströmende Premierenpublikum beobachtend die anderen. Selbst die Technik um Bühnenmusiker Jona Staepke wurde Element der Szenerie.

Gier zog sich als roter Faden in unterschiedlichsten Spielarten durch das Stück: Die des an Parkinson leidenden Alten, unterdrückt, bis sich endlich die Schlafzimmertür hinter seiner Frau schließt, und er sich nächtlichen Computerspielen widmen kann. Markus Kiefer bot dabei einen herausragenden Monolog der Qualen, unterlegt mit schaurigen Harmonien. Aus zwei Perspektiven, der des begehrlich sich an seine Frau im Bett anschleichenden Mannes (Kiefer), jener der alles registrierenden, die aussichtslose Flucht vermeidenden Frau (Maria Wolf), wurde das jede Nacht wiederkehrende sich Belauern und Ausharren „bis der Morgen graut“ erzählt.Große Leistungen

Menschen beobachten, ihre Rollen nachempfinden, sich in sexuellen Rausch flüchten, war ein weiteres Bild. Eine Szene auf der Straße: umherirrende Menschen hingen ihren Gedanken nach. Monologe, die sich wie beim Improvisations-Theater an einem Stichwort wendeten, von einem zum anderen huschten, wurden in gänzlich andere Richtung fortgesponnen. Conférencier Sven Stephanis Stichworte zur Flucht wurden von den Mitspielern mit wechselndem Erfolg aufgegriffen: Geld, Macht, Religion, Drogen, „Sex und Fahrradfahren“.

Susan Lachermund philosophierte über all jene Männer, die sie zu Pferden machte. „Ich bestieg sie alle!“ Eher ins Leere zielten die oft sinnfreien Gedanken, die Stephani in Frank-Zander-Manier von sich gab. Der Flucht-Song, hinreißend von Lachermund zur Live-Gitarre von Staepke gestaltet, beschwor Endzeitstimmung der Hippie-Bewegung herauf. Eine exzentrische Mixtur mit großen schauspielerischen Leistungen. 

Für diese Uraufführung war der freien Bühne zuvor per Bürgerabstimmung eine Förderung der Stadtwerke zuerkannt worden. 

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