Die gefährliche Suche nach dem Sündenbock

Premiere am Schauspielhaus

Mit gleich 17 Schauspielern macht sich die Regisseurin Daniela Löffner bei ihrem Debüt am Schauspielhaus auf die Suche nach Angst und Vorurteilen in der Gesellschaft. An Bochums Stadttheater inszeniert am Samstag, 28. Februar, sie Arthur Millers "Hexenjagd" als Gerichtsdrama.

BOCHUM

, 25.02.2015, 16:30 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die gefährliche Suche nach dem Sündenbock

Löffner inszeniert das Stück als Drama in einem Gerichtssaal.

Die erste Arbeit Daniela Löffners am Schauspielhaus ist gleich ein groß angelegtes, komplexes Ensemblestück: Für ihre Inszenierung von Arthur Millers „Hexenjagd“ hat die mehrfach ausgezeichnete Regisseurin 17 Schauspieler zusammengebracht und will mit ihnen ein breites Panorama einer Gesellschaft in Angst auf die Bühne stellen.

„Heute verbindet man mit dem Begriff ‚Hexe’ schrullige Kräuterfrauen oder die niedliche Bibi Blockberg“, sagt Daniela Löffner. Doch die Regisseurin, die ihre Karriere unter anderem am Düsseldorfer Schauspielhaus startete, will auf ein anderen Bild hinaus: „Was passiert in unserer Gesellschaft, wenn wir Angst haben vor einem Phänomen und es personifizieren? Wenn etwas unsere Ordnung angreift und wir einen Sündenbock brauchen?"

Komplexe Zusammenhänge

Arthur Miller schrieb seine „Hexenjagd“, die er im Jahre 1692 in der puritanischen Gemeinde Salem ansiedelt, als Parabel auf die Kommunistenverfolgung der Ära McCarthy. Heute kann man die die Pegida-Demonstrationen oder den Anschlag auf die französische Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo als Beispiele dafür anführen, wie ein Sündenbock für komplexe Sachverhalte herhalten muss.

Daniela Löffner will deshalb keine Gesellschaft auf die Bühne stellen, die zeitlich und geographisch klar einzuordnen ist. Sie siedelt ihr Ensemblestück im Gerichtssaal eines erfundenen Staats an, der modellhaft für viele Gesellschaften stehen kann, in denen heute Konflikte herrschen – in West wie Ost.

Gesellschaftliche Prinzipien

Jeder der 17 Darsteller von Günter Alt bis Anke Zillich steht für ein gesellschaftliches Prinzip – für eine Form des Umgangs mit der Situation, dass eigentlich unbescholtene Bürger plötzlich wegen „Hexerei“, des „Bündnisses mit dem Teufel“ angeklagt werden. Des Umgangs damit, dass ein Klima der Angst und allgemeinen Bespitzelung herrscht, die eigentlich bloß einen vermeintlich banalen, zwischenmenschlichen Grundkonflikt überdecken. Max Florian Kühlem

Die Premiere ist am Samstag, 28. Februar, 19.30 Uhr, im Schauspielhaus.