Die Geschichte der Gelatieri

Eis-Ausstellung im LWL-Museum

BOCHUM Vanille, Schokolade und Erdbeere - Sorten, die in jeder Eisdiele der Renner sind. Doch seit wann gibt es eigentlich die kalten Köstlichkeiten und wie kamen sie nach Deutschland? Antworten gibt es in der Ausstellung "Eiskalte Leidenschaft" auf der Zeche Hannover.

von Von Julia Reidegeld

, 12.06.2009, 15:31 Uhr / Lesedauer: 1 min
Dario Olivier an einer alten Eismaschine.

Dario Olivier an einer alten Eismaschine.

Mehr als 150 Exponate machen die Geschichte und Gegenwart der italienischen Eismacher hier lebendig. Fotografien, Dokumente, Kühlgeräte und Waffeleisen, sogar eine Eisdiele werden vom 14. Juni bis 11. Oktober im LWL-Museum ausgestellt.Ursprung des Speiseeises

Interessante Aspekte wie die Saisonarbeit oder die Eisherstellung lernte Kuratorin Anne Overbeck auf ihrer Recherchereise durch das Ruhrgebiet und die Dolomiten sowie mit Hilfe der Agentur fare kennen. "Denn in insgesamt 37 Bergdörfern Italiens findet man den Ursprung des Speiseeises", berichtet Overbeck. Vor über 100 Jahren seien hier die ersten "Gelatieri" mit ihren Eiskarren losgezogen, um in den Straßen Eis zu verkaufen. Einige Jahre später emigrierten sie dann über Wien unter anderem nach Deutschland.

Dritte Generation

In fünf Hörstationen kommen auch die Eismacher zu Wort. Dario Olivier ist einer von ihnen. Sein Großvater eröffnete 1930 die erste Eisdiele "de Lorenzo" in Witten. Heute verkauft er als dritte Generation den berühmten "italienischen Moment". Früher habe man zehn Männer gebraucht, um Eis herzustellen und einen für den Verkauf, erinnert er sich. Heute sei das umgekehrt. Als sein Großvater in den 30ern herkam, war der Anfang schwer, "denn Ausländer bekamen keine Wohnung". Somit nächtigte die Familie über mehrere Jahre im Keller der Eisdiele. In den schwierigen Zeiten nach dem Krieg habe er dann Eis gegen Eier getauscht.Zurück nach Italien

Bei Wintereinbruch fahren viele "Gelatieri" wieder zurück in ihre Heimatdörfer. Museumsleiter Dietmar Osses zeigt auf ein Foto: "Sie kehrten mit ihren großen deutschen Autos ins Dorf zurück, um ihren Luxus zu zeigen." Und noch heute blieben viele Kinder in der Heimat, um dort zur Schule zu gehen. Auch Olivier fährt im Winter nach Italien - denn dort beginne dann das Leben. jure

"Eiskalte Leidenschaft - Italienische Eismacher im Ruhrgebiet", LWL-Museum, Zeche Hannover; 14. Juni bis 11. Oktober Mi-Sa 14-18 Uhr, So 11-18 Uhr.