„Die Geschichten liegen im Ruhrgebiet auf der Straße“

Interview mit Autor Frank Goosen

Als Autor und Kabarettist ist Frank Goosen (50) eine der bekanntesten Stimmen des Reviers, nach der Verfilmung von "Liegen lernen" (2003) nun erneut auch Stofflieferant fürs Kino. Kai-Uwe Brinkmann traf Frank Goosen im Vorfeld der Bochumer Premiere von "Radio Heimat".

Bochum

, 14.11.2016, 17:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Die Geschichten liegen im Ruhrgebiet auf der Straße“

Frank Goosen ist einer der bekanntesten Autoren der Region.

Wie war Ihre Reaktion, als Sie von dem Projekt hörten? Erstmal freut es mich, wenn jemand meine Sachen für so gut hält, dass er einen Film daraus macht. Ich habe Respekt vor der sportlichen Leistung, Geschichten aus zwei Büchern zu einem Stoff zu verarbeiten. Als ich den Film sah, sagte ich: Hut ab, das haut hin. "Radio Heimat" startet als Comedy, Matthias Kutschmann hat Kabarett-Texte von mir verwendet. Dann wird aus der Komödie ein Film übers Erwachsenwerden und die erste Liebe, und es funktioniert wunderbar.

 

Waren Sie am Film beteiligt, etwa bei der Drehort-Suche? Ich hab das Drehbuch, gelesen, mich aber nicht eingemischt. Peter Thorwarth und Adolf Winkelmann sind involviert, bessere Ruhrgebiets-Kenner gibt es nicht. Von daher war ich entspannt.

 

Gibt es Szenen, wo Film und Frank Goosen zur Deckung kommen? Was jederzeit zur Deckung kommt, ist das Atmosphärische, die Gefühlsebene, was das Revier und seine Menschen angeht. Für mich berührend war die Szene, wo der Frank des Films mit einem Mädchen nachts spazieren geht. Das ist mir 1982 passiert, sogar Franks Hemd gleicht meinem von früher. Ein Gänsehautmoment für mich. Vor kurzem auf dem Abi-Treffen sah ich meine damalige Freundin, da stiegen Erinnerungen hoch.

 

Wichtig für die 80er-Jahre ist auch die Musik. Im Film hört man Falco und Kim Wilde. War da ein Lied, das Ihnen am Herz lag? Ich wollte eine extrem uncoole Nummer für einen Klammerblues drin haben, (Dreams Are My) "Reality", aus "La Boum", dem Film von 1980. Super, dass es klappte. Nick Hornby meint, in der Realität sei es nie so, dass beim ersten Mal tolle Musik von Marvin Gaye läuft. Es sei immer irgendwas Uncooles. Und es stimmt. Ich habe selbst mal geschrieben: Wenn Gott ein DJ ist, hat er die falschen Platten!

 

Es gibt bald mehr Filme nach Ihren Stoffen, richtig? So ist es. Sönke Wortmann hat "Sommerfest" gedreht, der nächstes Jahr ins Kino kommt. Im Februar beginnt der Dreh zur Verfilmung meines Romans "So viel Zeit", meines Wissens mit Til Schweiger und Jan Josef Liefers.

 

Haben Sie eine Erklärung, warum das Revier im Film wieder angesagt ist? Das Ruhrgebiet war schon mal kurz davor, cool zu sein. Ich denke an Filme wie "Jede Menge Kohle" oder "Die Heartbreakers". Dass das verloren ging, hat mit dem Mauerfall zu tun, glaube ich. Plötzlich war Berlin der große Magnet. Das kaputte, abgerissene, interessante Berlin ist heute verschwunden, Film braucht frische Blicke. Im Revier liegen die Geschichten auf der Straße, man muss sie nur aufheben. Ich wünsche mir, dass da noch mehr kommt. In jedem Buch etwa von Wolfgang Welt stecken Geschichten für einen Film.