"Die goldenen letzten Jahre" von Sibylle Berg zeigt einen Triumph der Außenseiter

Mülheimer Theatertage

MÜLHEIM Ein bittersüßes Märchen vom späten Triumph der vom Schicksal Geprüften und von der Masse Gepeinigten hat Sibylle Berg mit ihrem Stück "Die goldenen letzten Jahre" ersonnen. Das vom Schauspiel Bonn in Auftrag gegebene Werk gastierte nun bei den Mülheimer Theatertagen.

von Von Sascha Westphal

, 02.06.2009, 15:41 Uhr / Lesedauer: 1 min
Autorin Sibylle Berg schrieb mit "Die goldenen letzten Jahre" ein bittersüßes Märchen. Das Schauspiel Bonn brachte es auf die Bühne der Mülheimer Theatertage.

Autorin Sibylle Berg schrieb mit "Die goldenen letzten Jahre" ein bittersüßes Märchen. Das Schauspiel Bonn brachte es auf die Bühne der Mülheimer Theatertage.

Vier Außenseiter, die in der Schule bis aufs Blut gequält wurden, kommen noch Jahre später immer wieder zusammen, um sich bei Erdbeertörtchen ihrer Leiden zu erinnern und ihre mittlerweile errungenen Erfolge zu feiern.

Zu Beginn von Schirin Khodadadians Inszenierung sitzen Bea, Rita, Uwe (Anke Zillich) und Paul auf einer Couch vor einem mit Dschungel-Motiven bemalten Rundprospekt. Umgeben sind sie von Plüschtieren und ausgestopften Trophäen. Vom Band erklingen Tierlaute. Die Botschaft könnte nicht eindeutiger sein: Hier werden dem Publikum vier besonders groteske Exemplare aus dem Menschenzoo vorgeführt. In schwermütigen Liedern (Musik: Michael Barfuß) singen sich die vier Außenseiter ihre Enttäuschungen von der Seele. Dadurch hat Sibylle Bergs Stück etwas von einem ironischen Singspiel. Nur verkommt ihr Märchenmusical bei Schirin Khodadadian zu einer grotesk überzeichneten Nummernrevue.Regisseurin Schirin Khodadadian setzt in "Die goldenen letzten Jahre" auf Schadenfreude

Die Regisseurin geht den Weg des billigsten Witzes. Die bei Berg ambivalent gezeichnete Figur des alten Lehrers gibt Ulrich Hass als verächtlich-spöttischen Conférencier, dem Bea aus Rache sein Erdbeertörtchen vorenthält. Das ist dann auch schon der Höhepunkt einer Komik, die auf die Schadenfreude des Publikums setzt. Susanne Bredehöft, Stefan Preiss, Anke Zillich und Günter Alt spielen nach Kräften gegen den Zynismus der Regie an. Aber selbst Anke Zillich, die ihre Lieder zu grandiosen weltwunden Chansons erhöht, kann dabei nur scheitern.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt