"Die große Versuchung" ist eine Komödie über den schönen Schein

Im Kino

Ein Hafenstädtchen in Neufundland spielt Komödie. Alles wird auf links gekrempelt. Häuser bekommen frische Farbe. Das Restaurant setzt Indisches auf die Karte. Arbeitslose Fischer heucheln Begeisterung für Cricket. Das Mädel von der Post soll einem Neuankömmling schöne Augen machen. Warum der Zirkus?

14.07.2014, 18:30 Uhr / Lesedauer: 1 min
"Die große Versuchung" ist eine Komödie über den schönen Schein

Schönheitschirurg Dr. Lewis (Taylor Kitsch) geht angeln.

Ein Mann soll sich, verflixt noch mal, in das kleine Kaff Tickle Head verlieben. Es ist der Arzt Paul Lewis (Taylor Kitsch). Eine Kokain-Affäre am Flughafen hat ihn in das Fischernest gespült. Wenn er für einen Monat in Tickle Head praktiziert, drückt der Mann vom Zoll ein Auge zu.

Der Zollbeamte stammt aus dem Dorf kennt die Misere: Der Ort muss einen Arzt vorweisen, sonst wird die Fabrik mit ihren Arbeitsplätzen woanders gebaut. So tüftelt Ortsvorsteher Murray (Brendan Gleeson) den Plan um "Die große Versuchung" aus. Unser Dorf soll schöner werden, so schön, dass der Doc für immer bleibt.

Charme-Offensive Der Film von Don McKellar ist das Remake einer franko-kanadischen Komödie, nun mit Personal in englischer Zunge. Betrachtet man, wie das potemkinsche Dorf zur Charme-Offensive rüstet, wird schnell klar, dass diese Geschichte reichlich wolkig ist, ein echter Märchen-Plot.

120 Verschwörer, die dem Doktor einen Bären nach dem anderen aufbinden. Ein Taucher bestückt seine Angel mit Fischen. Geldscheine legt man aus, damit der Glückliche sie findet. Telefonate werden abgehört, um all seine Wünsche zu kennen.

Herrlich doof Kino-Kokolores. Doch wie es bei besseren Humoresken ist: Die Konstruktion mag ächzen, aber Zusehen macht Spaß, weil die schräge Story Eigendynamik entwickelt. Herrlich doof, wie die Seebären auf der Klippe beim Cricket stümpern, nur weil der Arzt ein Fan ist. Schmunzelkomik, die Fragen nach Logik verblassen lässt. Und Brendan Gleeson ist immer eine Bank, weil er Wahrhaftigkeit ausdampft, wo andere bloß Väter der Klamotte sind.

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