Die Könige vor der Tür

WITTEN „Wäre ich doch bloß nicht Casper geworden“, stöhnt der kleine Kai, während ihn der ältere Bastian mit einem Korken bemalt, den er zuvor in einer Kerze „angekokelt“ hat.

von Marcel Bülow

, 05.01.2008, 09:13 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Könige vor der Tür

Es herrscht ein buntes Treiben im Keller des Gemeindehauses der St. Vinzenz von Paul Kirche. Um die 15 Kinder treffen sich hier, verkleiden sich und ziehen als Heilige aus, den Segen Christus zu verbreiten. „Bastian, Florian, Anna...“, Pater Jan Poja ruft die Namen der Sternsinger auf und verteilt „Sternsinger-Ausweise“. In ihnen steht ihr Name, die Pfarrei und die offizielle Erlaubnis um Spenden zu bitten. „Es passiert selten, aber manchmal wollen die Besuchten die Ausweise sehen“, erklärt er. Zusätzlich begleitet jede Gruppe jedoch auch noch eine Aufsichtsperson. „Das macht die Aktion glaubhafter und abends ist das sicherer“.

Grüner Turban Felix ist acht Jahre alt und dieses Jahr schon das zweite Mal mit dabei. Im Jugendraum im Pfarrheim zieht er sich gemeinsam mit den anderen Kindern die Kostüme an: Caspar, Melchior, Balthasar und natürlich der Sternträger, man hilft sich gegenseitig. Für Felix gibt es einen samtenen, grünen Turban und ein entsprechendes Gewand. Doch nicht überall passt es beim ersten Versuch. „Das ist ja viel zu kurz, vor zwei Jahren war es noch länger“, bemerkt ein Mädchen. Pater Jan Poja CR eilt los und holt Meßdienerkleider. „Die müssten passen“.Klingeln nach Liste Insgesamt gibt es heute drei Sternsingergruppen - alle mit festgelegten Routen. In einer Liste sind säuberlich die Namen eingetragen, bei denen sie klingeln. „Wir haben die Liste in unseren Gottesdiensten ausgelegt. Jeder der Besuch von uns bekommen möchte, konnte sich hier eintragen“, erklärt Pater Jan Poja. Bevor es aber losgehen kann, muss noch einmal geprobt werden. Gemeinsam versammeln sich die kleinen Könige vor der Krippe in der Vinzenz von Paul-Kirche. „Eins, zwei, drei: Mit frohen Liedern kommen wir...“, etwas zögerlich stimmen sie ihr Lied an und tragen ihre Verse vor. „Erst singen wir, dann sprechen wir vor, verteilen den Segen und ziehen weiter“, bringt der erfahrene Bastian ihr Vorhaben auf den Punkt. Immerhin ist er schon zum vierten Mal mit dabei. Eine Gruppe besucht die umliegende Nachbarschaft der Gemeinde. Vor der ersten Tür steigt die Anspannung. „Wie war das nochmal? Erst singen und dann sprechen?“ fragt Julia aufgeregt. Doch Maik, der Leiter der Gruppe, gibt Entwarnung. „Hier scheint keiner zuhause zu sein. Wir gehen weiter.“ An der nächsten Tür haben sie mehr Glück. Familie Bolednik öffnet und bitte die Truppe herein. Eng drängen sich die vier Sternsinger in ihrem Wohnzimmer - jetzt zählt es. Gerade die jüngste, die sechsjährige Loredana, ist als erste dran.Fernes Perserland Zögerlich, doch immer sicherer findet sie die richtigen Worte: „König Caspar bin ich genannt. Mein Reich liegt fern im Perserland“. Und dann klappt alles. Der Vortrag ist ein voller Erfolg, was spätestens die drei Tafeln Schokolade von Familie Bolednik beweisen. Die Sternsinger sprechen den Segen und hinterlassen einen Aufkleber mit den Zeichen 20*C+M+B+08 an der Wohnungstür. Froh und mit etwas leichteren Schultern geht es weiter zum nächsten Haus. Felix klingelt und nach kurzem Warten ertönt eine Stimme. „Wer ist da bitte?“ „Die Sternsinger sind hier“, antworten die vier Kinder im Chor. „Wie bitte“, fragt die Stimme aus der Sprechanlage. „Mensch: Caspar, Melchior und Balthasar stehen vor der Tür“, ruft Felix laut. Der Summer brummt.