Die Kommune hockt am Küchentisch

Filmkritik

Kopenhagen in den 70er-Jahren. Architektur-Dozent Erik (Ulrich Thomsen) erbt eine Villa. Er will sie verkaufen, seine Frau Anna (Trine Dyrholm) überredet ihn, Mitbewohner aufzunehmen.

19.04.2016, 15:58 Uhr / Lesedauer: 1 min
Alle dafür: In der Kommune wird abgestimmt.

Alle dafür: In der Kommune wird abgestimmt.

Thomas Vinterbergs Film "Die Kommune" erzählt von einem Experiment, das damals Schule machte: Lasst uns ein Miteinander jenseits des bürgerlichen Modells probieren.

Die Gruppe entscheidet

Heute sagen wir Wohngemeinschaft, das klingt pragmatischer. In den politisierten 70ern stand "Kommune" für den Versuch, frei und demokratisch als Wahl-Familie zu leben. In seiner Jugend, hört man, war Vinterberg Mitglied einer Kommune. Vielleicht beschreibt er darum so einleuchtend, wie es ist, wenn Menschen sich für Prinzipien verbiegen, wenn Privates "im Plenum" besprochen und der Gefühlshaushalt kollektiv verwaltet wird.

"Die Kommune" ist kluges, sensibles Menschen-Theater (nach Vinterbergs Bühnenstück), zu großen Teilen ein Kammerspiel in "Dogma"-Ästhetik, mit dem Küchentisch als Zentrum. Dort werden bei Kerzen und Wein kleine und große Schlachten geschlagen, nicht selten kippt die Runde in ein Tribunal. Vinterberg zeigt die Mechanismen, die dazu führen, dass Annas Projekt in Schieflage gerät: Gefühle sind halt nicht konsensfähig.

Subtiles Beziehungsdrama

Als Erik eine Affäre mit einer Studentin beginnt, ist Schluss mit Friede, Freude, Eierkuchen. Oh ja, man redet und reflektiert, Anna gibt sich tolerant bis zur Selbstverleugnung und lädt die junge Frau ins Haus ein. Zu viel des Guten. Anna schlittert in eine Krise, an der sie fast zerbricht. "Die Kommune" besticht als subtiles Beziehungsdrama zwischen Individuum und Gruppe.

Bittersüß, traurig-komisch wie das Leben selbst. Dass der Film glaubhaft wirkt, verdankt er auch den Darstellern, vorneweg der großartigen Trine Dyrholm, in Berlin mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet.

 

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