Die Kunst der kleinen Leute

Ausstellung

Den Alltag in Farbe gegossen: Die Recklinghäuser Kunsthalle zeigt die Schau „Frömmigkeit und Nachtgesichte – Naive Kunst aus Polen“ – und gibt Einblicke in das Nachkriegsleben der Bergleute. Denn dort war Kunst zunächst nur ein netter Zeitvertreib.

RECKLINGHAUSEN

, 19.02.2016, 16:34 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Kunst der kleinen Leute

Die Schnitzereien sind häufig kleinteilige Arbeiten. Das Abendmahl stammt von Jan Madej. BALAS

Polnische Kunst hat im Ruhrgebiet schon lange Tradition. Die zugezogenen Bergleute organisierten sich bald in Musik-, Theater- und Malgruppen. Letztere erhielten Gelegenheiten, in den Lohnhäusern auszustellen und an Wettbewerben teilzunehmen.

Sammlung umfasst mehr als 800 Werke

"Dabei wurde auch so manches Talent entdeckt", sagt Kurator und stellvertretender Museumsdirektor Hans-Jürgen Schwalm. Die Recklinghäuser Museen sammeln daher bereits seit mehr als sechs Jahrzehnten naive Kunst - die Sammlung umfasst inzwischen mehr als 800 Werke.

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Die Kunsthalle zeigt Naive Kunst aus Polen

Bunte Schnitzereien und Malereien: Die Kunsthalle Recklinghausen zeigt die Ausstellung "Frömmigkeit und Nachtgesichte - Naive Kunst aus Polen im Spiegel der Moderne". Naive Kunst bildet seit mehr als sechs Jahrzehnten einen Sammelschwerpunkt der Recklinghäuser Museen.
19.02.2016
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Die Schau in der Kunsthalle zeigt die Werke polnischer Künstler. Die naive Kunst zeichnet sich dadurch aus, dass ihre Vertreter sehr häufig Autodidakten waren.© Foto: Natasa Balas
Die Künstler haben sich das künstlerische Schaffen durch Übung erarbeitet.© Foto: Natasa Balas
Auffallend ist, dass sehr häufig christliche Motive zum Tragen kommen. "Gemalt wurde, was die Menschen kannten", sagt der stellvertretende Museumsdirektor Hans-Jürgen Schwalm. Die Menschen kannten vor allem die Geschichten und Gleichnisse aus der Bibel.© Foto: Natasa Balas
Diese Schnitzerei stellt den heiligen Georg dar.© Foto: Natasa Balas
Das künstlerische Schaffen begann häufig in der Jugend. Besondern die Jungen mussten nach der vierten Klasse die Schule verlassen, um als Hirten Geld zu verdienen und die Familie zu unterstützen.© Foto: Natasa Balas
"Beim Kühe- oder Schafehüten, hatten die viel Zeit, und fingen häufig an zu schnitzen", sagt Schwalm. Meistens fing es mit kleinen Tieren an...© Foto: Natasa Balas
... wer das Handwerk weiter ausbaute, konnte später auch solche Arbeiten ausführen wie auf dem Foto.© Foto: Natasa Balas
Teofil Ociepka ist ein bekannter Maler der Naiven Kunst. Der Bergmann brachte sich das Malen selbst bei und feierte kommerzielle Erfolge damit.© Foto: Natasa Balas
Die Schnitzereien sind häufig kleinteilige Arbeiten. Das Abendmahl stammt von Jan Madej.© Foto: Natasa Balas
Die Naive Kunst zeichnet sich nicht nur durch die immer wiederkehrenden christlichen Motive, sondern auch durch ihre Farbpracht aus.© Foto: Natasa Balas
Die Naive Kunst zeichnet sich nicht nur durch die immer wiederkehrenden christlichen Motive, sondern auch durch ihre Farbpracht aus.© Foto: Natasa Balas
Die Naive Kunst zeichnet sich nicht nur durch die immer wiederkehrenden christlichen Motive, sondern auch durch ihre Farbpracht aus.© Foto: Natasa Balas
Auch die Schöpfungsgeschichte tritt immer wieder auf, und spielt bei vielen Künstlern eine Rolle.© Foto: Natasa Balas
Die Naive Kunst zeichnet sich nicht nur durch die immer wiederkehrenden christlichen Motive, sondern auch durch ihre Farbpracht aus.© Foto: Natasa Balas
Eine Sterbeszene. Neben dem Sterbenden wachen nicht nur ein Priester, sondern auch ein Engel, der Tod und der Teufel.© Foto: Natasa Balas
Die Menschen gestalteten auch Alltagsgegenstände künstlerisch um. Das Bild zeigt einen Bienenstock.© Foto: Natasa Balas
Wenn es einmal nicht um Religion ging, spielte Politik eine Rolle.© Foto: Natasa Balas
Als die Moderne Einzug hielt, änderten sich auch die Motive.© Foto: Natasa Balas
Die Naive Kunst zeichnet sich nicht nur durch die immer wiederkehrenden christlichen Motive, sondern auch durch ihre Farbpracht aus.© Foto: Natasa Balas
Es gab Mittel und Wege die Nacktheit zu verbergen.© Foto: Natasa Balas
Die Naive Kunst zeichnet sich nicht nur durch die immer wiederkehrenden christlichen Motive, sondern auch durch ihre Farbpracht aus.© Foto: Natasa Balas
Die Naive Kunst zeichnet sich nicht nur durch die immer wiederkehrenden christlichen Motive, sondern auch durch ihre Farbpracht aus.© Foto: Natasa Balas
Die Naive Kunst zeichnet sich nicht nur durch die immer wiederkehrenden christlichen Motive, sondern auch durch ihre Farbpracht aus.© Foto: Natasa Balas
Die Naive Kunst zeichnet sich nicht nur durch die immer wiederkehrenden christlichen Motive, sondern auch durch ihre Farbpracht aus.© Foto: Natasa Balas
Schlagworte Recklinghausen

Die aktuelle Ausstellung entsteht als gemeinsame Initiative mit dem Kunstmuseum Bochum und dem Skulpturenmuseum Glaskasten Marl. Zu sehen gibt es nicht die makellosen Werke exzentrischer Künstler - die naive Kunst zeigt vor allem Schnitzereien und Malereien, die im Stillen, meist im eigenen Heim entstanden sind. "Großflächige Bilder sieht man hier eher selten", sagt Schwalm, "die meisten Werke sind am Küchentisch entstanden".

Viel Zeit beim Schafehüten

Die Künstler hätten häufig nach vier Jahren die Schule verlassen müssen, um durch kleine Aufseharbeiten die Familie zu unterstützen. "Beim Kühe oder Schafe hüten, hatten sie viel Zeit und fingen dann mit dem Schnitzen an", erklärt Schwalm. Dass mit der Kunst ein kleines Zubrot verdient werden konnte, habe sich häufig erst im Nachhinein herausgestellt, wenn sich die Begabung des Künstlers herumgesprochen hätte.

Von der Schöpfungsgeschichte bis hin zum Abendmahl: Christliche Motive ziehen sich durch die gesamte Ausstellung und wiederholen sich häufig: "Man hat gemalt, was man kannte", erklärt der Kurator, "und das waren vor allem biblische Geschichten."

Kunsthalle Recklinghausen, Große-Perdekamp-Straße 25, 21.2.-10.4., Di-So, 11-18 Uhr.