"Die Liebe seines Lebens" - Ein Drama voller Schatten

Im Kino

Der Eisenbahn-Enthusiast lernt im Zug nach Schottland eine Frau kennen. Sie plaudern, er wartet mit Anekdoten zu Land und Leuten auf, die beiden mögen sich. Wenig später sind sie ein Paar und verheiratet. Trotzdem setzt uns der deutsche Titel von Jonathan Teplitzkys „Die Liebe seines Lebens“ (Im Original „The Railway Man“) auf die falsche Fährte. Kern ist nicht die Romanze, sondern das Kriegstrauma des Mannes.

01.07.2015, 15:08 Uhr / Lesedauer: 1 min
Späte Liebe: Eric Lomax (Colin Firth) und Krankenschwester Patti (Nicole Kidman).

Späte Liebe: Eric Lomax (Colin Firth) und Krankenschwester Patti (Nicole Kidman).

1942 kam er in Singapur in japanische Gefangenschaft, schuftete beim Bau der Burma-Bahn (siehe: „Die Brücke am Kwai“), wurde gefoltert und misshandelt. 40 Jahre später reicht ein Lied im Radio, und Eric fühlt sich wieder in der Gewalt der Peiniger.

Ein Film über die Schatten der Vergangenheit, über Schuld, Sühne, Vergebung. Nach den Erinnerungen von Eric Lomax, den Colin Firth spielt. Nicole Kidman verkörpert die Frau an seiner Seite, ungewohnt schlicht in der Erscheinung. Biederstrick statt Glamour. Ein Paar der britischen Mittelklasse, fast schon graue Mäuse.

Erics Geheimnis

Als Patricia merkt, dass ihr Mann seelisch angeknackst ist, bedrängt sie seinen Kriegskameraden (Stellan Skarsgard), Erics Geschichte zu erzählen.

 

Groß angelegte Rückblenden enthüllen Erics Geheimnis. 1943 im Dschungel: Eine Armee ausgemergelter Sklaven ebnet unter der Knute der Japaner die Trasse für eine Eisenbahn. Eric (Jeremy Irvine) versteckt ein Funkgerät. Er fliegt auf und kassiert eine drakonische Strafe. Prügel, Wasserfolter, das ganze Programm.

Rache in Thailand

Und nun hört Eric, dass der oberste Schinder am Leben ist. Er reist nach Thailand, er will Rache. Täter und Opfer stehen Auge in Auge. Das Heute (ein Melodram) und das Gestern (ein Drama) sind einigermaßen gut verwoben. Wirklich unter die Haut geht die Geschichte aber nicht, auch wenn dick aufgetragene Streicher Pathos, Tragik und Emotion schwitzen.

Dafür erzählt der Film zu glatt und formelhaft. Man ahnt, wie das reinigende Strafgericht ausgehen muss, soll Eric seinen Frieden finden. Immerhin gehobenes Schauspieler-Kino, vor allem dank Firth, während Kidman auf die tränenfeuchte Mutter Teresa festgelegt ist.

 

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