Die Liebe zum Geld macht Molières Geizigen einsam

Grillo-Theater

Einen heiter-munteren Theaterspaß hat Jasper Brandis mit Molières bitterböser Komödie "Der Geizige" im Essener Grillo-Theater inszeniert.

ESSEN

von Von Britta Helmbold

, 01.01.2014, 12:25 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Liebe zum Geld macht Molières Geizigen einsam

Szene mit (v.l.) Floriane Kleinpaß, Stefan Diekmann, Thomas Büchel, Jens Ochlast und Anne Schirmacher.

Auf einer Bühnen füllenden Showtreppe, mit Klappen für Auf- und Abgänge, agiert ein tolles Typenkabinett überzeichnet in abgedrehten Kostümen (Ausstattung: Katrijn Baeten und Saskia Louwaard) und liefert sich witzig-rasante Dialogschlachten (Übersetzung: Wilfried Minks und Thomas Körner).

Im Mittelpunkt steht Thomas Büchels Harpagon, ein komisch-tragischer Egoist, der den Werbeslogan "Geiz ist geil" verinnerlicht hat. Er liebt sein Geld über alles - und die junge Mariane, aber nur wenn die Mitgift stimmt. Seine beiden Kinder will er ebenfalls gewinnbringend verheiraten - Floriane Kleinpaß´ Èlise gibt ein bezauberndes Prinzesschen im giftgrünen Tüllkleidchen ab, ihren Bruder Cléante spielt Stefan Diekmann als Möchtegern-Lebemann mit Geldsorgen, der vom Vater schon mal den Hintern verprügelt bekommt, und vielen Slapstick-Einlagen. Die Geschwister wehren sich gegen Papas Pläne, denn Èlise will nicht mit einem reichen Alten verkuppelt werden, ihr Herz gehört Jens Ochlasts schleimig-geilen Valère, und Cléante ist ebenfalls auf Mariane scharf. Doch mit dem Verschwinden von Papas geliebter Geldkassette gerät alles andere zur Nebensache.  

Eine umwerfende Mariane

Anne Schirmacher in der Rolle der Mariane ist die Entdeckung des Theaterabends: eine wunderbar einfältige und schön blonde Proll-Tusse aus dem Ruhrgebiet, die bei jedem Wort, Satz die Lacher auf ihrer Seite hat.

Mit lakonisch-trockenem Humor hingegen hat Jan Pröhl seine diversen Personal-Figuren dieser Komödie ausgestattet.

Eingebettet in Klänge von Duke Ellingtons "Caravan" ist das Intrigenspiel mit hübschen Zufällen, die am Ende in einer wundersamen Familienzusammenführung gipfeln - und der einsame Harpagon endlich sein geliebtes Geld wieder an die Brust drücken kann.

Termine: 31.1., 8./9.2; Karten: Tel.(0201) 8 12 22 00.

 

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