"Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes

Clemens J. Setz

Eine junge Frau ersteht im Internet einen Käfig und lässt sich darin als Sklavin halten, eine andere hat mit schmierigen, stinkenden Pestbeulen auf ihrem Portemonnaie zu kämpfen, ein Junge wird in einer Toilette eingeschlossen, ein Professor bekennt sich zu den Sexphantasien mit seinen Studentinnen.

von Von Katharina Pfeifle

, 17.05.2011, 00:15 Uhr / Lesedauer: 1 min
"Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes

Es sind keine schönen Geschichten im klassischen Sinne, die Clemens J. Setz in seinem Erzählband "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes" aufschreibt. Vielmehr scheinen sie grotesken Albträumen zu entspringen, in ihnen entfalten sich die Abgründe des menschlichen Seins, am Ende steht der Kontrollverlust. 

Mit seinen 28 Jahren gilt der Grazer Schriftsteller als große Nachwuchshoffnung der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Seine ersten beiden Romane "Söhne und Planeten" sowie "Die Frequenzen" wurden bereits von den Kritikern hoch gelobt und mit Preisen ausgezeichnet. Für "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes" erhielt Setz im März den mit 15 000 Euro dotierten Preis der Leipziger Buchmesse im Bereich Belletristik.

18 Geschichten

Die 18 Geschichten sind nichts für schwache Nerven. Clemens J. Setz scheut keine Tabus, explizit und detailliert thematisiert er Sex und brutale Gewalt - auch in Kombination miteinander. Manchmal fällt das Weiterlesen schwer.Surreale Parallel-Welten

Es sind unangenehme, düstere Geschichten ohne rechten Anfang und Ende. Erbarmungslos werden die Protagonisten in surreale Parallel-Welten hineingezogen, gequält und festgehalten, ohne Hoffnung auf Entkommen oder Rettung. In der Sprache bleibt Setz dabei stets nüchtern, geradezu emotionslos bringt die phantastischen Bilder zu Papier.Prügelnde Stadtbewohner

Ganz am Ende steht die Titelgeschichte, in ihr prügeln Stadtbewohner auf eine Lehm-Skulptur ein, die die Form eines Kindes hat. Der Künstler hat sie ihnen überlassen, mit dem Auftrag, sie zur Vollendung zu bringen. Jeder Schlag hinterlässt seine Spuren...Clemens J. Setz: Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes, Suhrkamp, 19,90 Euro, ISBN 978-3-518-42221-2.

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