„Die lustige Witwe“ stürmisch gefeiert

Musiktheater im Revier

Mit der Operette "Die lustige Witwe" erlangte Franz Lehár 1905 Weltruf. Wer meint, die Zeit der Operette sei endgültig vorbei, der mag in Gelsenkirchens Musiktheater im Revier (MiR) eine Art Wunder erleben. Denn dort wird Lehárs Opus geradezu stürmisch gefeiert - und er wird überrascht merken, dass die kuriose Story viel mit unseren Sorgen und Ängsten zu tun hat.

GELSENKIRCHEN

, 18.12.2016, 12:35 Uhr / Lesedauer: 1 min
„Die lustige Witwe“ stürmisch gefeiert

Danilo (Michael Dahmen) liebt das Bauernmädchen Hanna (Anke Sieloff).

Der schlaksige Leutnant Danilo (überragend Michael Dahmen, Bariton) liebt das arme, schöne Bauernmädchen (Anke Sieloff, Sopran), darf es aber aus Standesgründen nicht heiraten; sie wird die Braut des steinreichen Staatsbankiers, der jedoch in der Hochzeitsnacht stirbt und Hanna so zur reichsten Witwe Europas macht.

Liebe gegen Erbe

Ihr Vermögen liegt auf der Bank des Zwergstaates Pontevedro, der ohne ihr Geld bankrott wäre. Und so bahnt sich ein irres Buhlen um die Witwe an, bei dem Hanna und Danilo am Ende zwar zueinanderfinden, aber, so steht es im Testament, ohne das Geld zu erben.

Der in Wattenscheid geborenen Regisseurin Sandra Wissmann ist mit der Bühnenbildnerin Britta Tönne eine Inszenierung im MiR gelungen, die zart und wild, still und ungestüm, komisch und gescheit durchdacht ist und sich dabei sehr sensibel auf Lehárs Musik bezieht.

Klangnuancen

Und man darf staunen, welche sinnlichen Klangnuancen Generalmusikdirektor Rasmus Baumann und das Philharmonische Orchester in der Partitur entdecken: Was im Ohr schließlich haften bleibt, sind nämlich vor allem die poetischen Stellen, das Zusammenwirken hoher Flöten und Geigen mit Harfenglissandi und Gitarren - zum Beispiel: der Glanz von Schönheit mitten in der Brandung.

Da gilt es, Lehárs künstlerischen Rang und seine Nähe zur Musik des Fin de Siècle zu erkennen.

Termine: 23./25./31.12.; Karten: Tel. (0209) 4097200.