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Die Moneten liebt er mehr als den Enkel

„Alles Geld der Welt“ im Kino

In „Alles Geld der Welt“ spielt Christopher Plummer statt Kevin Spacey die Hauptrolle – ein Exorzismus der besonderen Art, der an das alte Ägypten erinnert.

15.02.2018 / Lesedauer: 2 min
Die Moneten liebt er mehr als den Enkel

Oscar-nominiert: Plummer als Getty. Foto: Tobis

Wie gut oder schlecht Ridley Scotts neuer Film „Alles Geld der Welt“ auch sein mag: Zuerst muss man davon reden, dass an ihm eine Art Exorzismus verübt wurde, als Scott alle Szenen mit Kevin Spacey herausschnitt und ihn durch Christopher Plummer ersetzte. So tief gehen die Empfindlichkeiten in der Missbrauchs-Debatte, dass man den Beschuldigten aus dem fertigen Werk radiert. Ähnlich wie die Ägypter die Namen missliebiger Pharaonen aus dem Stein kratzten.

Der geizige Reiche



Spacey raus, Plummer rein. Geschadet hat es nicht, denn Christopher Plummer (88) bringt 70 Jahre Erfahrung und seine Patriarchen-Aura mit. Er spielt den Milliardär J. Paul Getty, 1973 der reichste Mann der Welt. Mit Supertankern hat er ein Vermögen gemacht, er residiert auf einem britischen Landsitz.

Wo Gettys Besucher ein Münztelefon benutzen – der Alte ist ein Geizkragen, wie er im Buche steht, und Plummer stattet ihn mit der Gefühlskälte eines Reptils aus. Getty interessiert sich für Börsenkurse, nicht für Bettelbriefe. Oder für die angebliche Entführung seines Enkels in Italien: Da fordert jemand 17 Millionen Dollar Lösegeld?

Kein Geld für die Freilassung



Blödsinn. Keinen Pfennig will er zahlen: „Ein Getty ist niemandes Narr!“ Damit beginnt ein Pokerspiel um das Leben von Gettys Enkel John Paul (Charlie Plummer), der von Mafiosi gekidnappt wurde. Seine Mutter Gail (gut: Michelle Williams) setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um Getty das Geld zu entlocken.

Der Schwiegervater lässt Gail zappeln. Er stellt ihr einen Unterhändler (Mark Wahlberg) zur Seite, der den Preis drücken soll. Die Sache zieht sich hin.

Moderates Thriller-Flair



Das Thrillerflair bleibt moderat, Ridley Scott vernachlässigt den Reißer zugunsten eines Porträts der Gettys und eines italienischen Sittenbildes. Nicht Scotts stärkster Film, schauspielerisch aber von gehobener Qualität, dank Williams, dank Christopher Plummer.

Als Moritat vom reichen Pfennigfuchser bleibt er ein Holzschnitt: Das letzte Hemd hat keine Taschen. Das wussten wir aber schon.

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