Die Ortsumgehung als Bumerang

rnMehr Verkehr in Unnas Osten

Ob eine Umgehungsstraße zwischen Mühlhausen und Lünern etwas bringt, ist offenbar umstritten. Ratsfrau Bärbel Risadelli meint ja – allerdings genau das Gegenteil vom Erhofften, nämlich mehr Verkehr.

Unna

, 08.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Wer sich eine Meinung bilden will zum Vorstoß der Ortsvorsteher Dietmar Griese (Mühlhausen/Uelzen) und Anja Kolar (Lünern/Stockum), muss sich zunächst die Perspektiven klar machen, aus denen das Problem betrachtet werden kann. Griese und Kolar regen an, einen Wirtschaftsweg zwischen Heerener und Nordlünerner Straße zu einer Umgehungsstraße auszubauen. Der Verkehr zwischen B1 und Alte Heide beziehungsweise Heeren-Werve würde über die Felder westlich des Ruhekopfes fließen, insbesondere die Ortslage von Mühlhausen entlastet. Es ist ein Vorschlag, der nicht zum Wohle der Autofahrer auf den Tisch kommt, sondern zum Schutze der Anwohner.

Griese und Kolar begründen dies mit einer Zunahme des Verkehrs auf der Nordlünerner und auf der Heerener Straße. Griese kann es für Mühlhausen sogar in Zahlen beschreiben: 2400 Fahrzeuge rollen demnach täglich auf dieser Strecke durch den Ort. Der Ausbau des Weges am Ruhekopf würde es Autofahrern ermöglichen, durch vergleichsweise dünn bebautes Gebiet einen Haken zwischen den beiden Orten im Unnaer Osten zu schlagen. Der Nutzen für Mühlhausen wäre dabei wohl größer.

Der Vorschlag scheint vor Ort interessiert diskutiert zu werden. Die Bewertungen sind sehr unterschiedlich. Dass die Orte im Unnaer Osten gerne als Abkürzungen für den Durchfahrtverkehr genutzt werden, scheint unstrittig. Über den Sinn einer Umgehungsstraße indes wird gestritten.

Stimmen, die zuletzt bereits zu vernehmen waren, weisen auf ein gewisses Theorie-Praxis-Defizit hin. Eine Ortsumgehung zu bauen, die nur dem Schutz der Anwohner dient, aber Kraftfahrern keinen Nutzen bringt, könnte möglicherweise nicht angenommen werden. Denn dass Schilder allein den Verkehr nicht lenken können, zeigt sich bereits heute: Zum Teil gibt es im Unnaer Osten bereits Durchfahrtbeschränkungen für den Schwerverkehr. Aber diese werden oft ignoriert, und die Polizei weist darauf, dass ihre Kontrollmöglichkeiten begrenzt sind. Angenommen wird eine Umgehungsstraße von Autofahrern dann, wenn sie Wege abkürzt oder beschleunigt.

Ob dies im Griese-Kolar-Konzept der Fall ist, könnte möglicherweise von der Fahrtrichtung abhängen. Wer von der B1 über die Nordlünerner Straße in Unnas Norden oder nach Kamen will, für den würde es vermutlich wenig Unterschied machen, ob er auf der Nordlünerner Straße bleibt oder über die neue Umgehung auf die Heerener Straße wechselt. Wer die kurvige Tempo-30-Strecke in Mühlhausen umgehen kann, würde auf der Umgehungsstrecke vielleicht flüssiger durchkommen. Wer die Fahrt über die Dörfer als Alternative zur B1 wählt, hätte durch die Umgehung einen Umweg.

Neben der Sinnfrage scheint sich in Mühlhausen allerdings auch Besorgnis aufzutun: Die fraktionslose Ratsfrau Bärbel Risadelli vernimmt sie in Gesprächen mit Bürgern. Zum Teil werde die Idee einer Umgehungsstraße nicht nur als nutzlos, sondern als schädlich angesehen, erklärt sie. Der Wirtschaftsweg zwischen Ruhekopf und Heerener Straße werde heute nicht nur von Landwirten, sondern auch von Radfahrern und Spaziergängern genutzt, diese Funktionen aber dann einbüßen. Baulich sei eine neue Straße dort ein massiver Eingriff in die Landschaft und ins Ökosystem. Vor allem aber beschreibt Risadelli die Sorge, dass die neue Straße nicht nur den derzeitigen Durchgangsverkehr im Unnaer Osten umverteilt, sondern neue Verkehre anzieht, wenn die Fahrt wirklich komfortabler wird.

Das Potenzial dafür könnte durchaus gegeben sein. Bei Staus oder Sperrungen gibt es im Unnaer Osten oft einen Kaskadeneffekt: Von der A44 wechselt der Verkehr auf die B1, von der B1 auf die Straßen in den Orten. Auf der B1 wurden bei Mühlhausen zuletzt durchschnittlich 13.410 Autos pro Tag gezählt, an der Dauerzählstelle auf der A44 im Mittel der Wochentage 97.372.

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