Die Romantik des "Konzerts in die Nacht"

Musikfestival Cappenberg

Intendant Berthold Warnecke hatte es bereits zur Eröffnung versprochen: „Dieses Festival wird das romantischste.“ Wie stark das Ensemble die Epoche in den Fokus gerückt hat, wurde spätestens beim langen, dreiteiligen „Konzert in die Nacht“ am Freitag deutlich.

CAPPENBERG

28.05.2012, 16:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beim Nachtkonzert in der Stiftskirche ist die programmatische Neuausrichtung in diesem Jahr besonders spürbar. Bei ersten Festivals hatte noch die Barockmusik in der Kirche dominiert, begleitet von populären Nachtstücken wie Mozarts Kleiner Nachtmusik. Nun stehen überwiegend Stücke jenseits des allgemein Bekannten auf dem Programm. Nichtsdestoweniger ist es überwiegend eingängige Musik. Wahre Kleinode hat das Ensemble ausgegraben: ein Nachtstück für vier Violen von Max von Weinzierl oder betörend schöne Lieder von Debussy und Ravel, die von der jungen Mezzosopranistin Anna Lapkovskaja mit nicht weniger betörender Stimme und großartig ausgestaltet vorgetragen werden.  

In die vielen Miniaturen und Sonatinen sind unterdessen zwei umfangreichere Hauptwerke mit ernstem Hintergrund eingebettet. Zuerst erklingt Vaughan Williams' „The Lark Ascending“. Mit der „aufsteigenden Lerche“ bezog sich der Komponist 1914 auf ein Gedicht von George Meredith und meinte die heraufziehende Bedrohung durch den Ersten Weltkrieg. Dennoch klingt seine Musik über weite Passagen leicht und traumhaft. Latica Honda-Rosenberg spielt den fragil klingenden, überaus anspruchsvollen Solo-Violinpart dieser impressionistisch gefärbten Komposition mit Bravour.  Den weitaus schwerer zu verdauenden Brocken spart sich das Ensemble bis ganz zum Schluss auf: Olivier Messiaens „Quartett für das Ende der Zeit“, das er 1941 in deutscher Kriegsgefangenschaft schrieb. Vielleicht lag es am starken Kontrast zum eher gefälligen Rest des Programms, vielleicht auch an der fortgeschrittenen Stunde um Mitternacht, dass ein Teil des Publikums sich vorzeitig von Messiaens eigenwilliger Tonsprache in die Flucht treiben ließ. Schade. Letztlich war es eines der reizvollsten Nachtprogramme, die es in Cappenberg je zu hören gab.