Die Schöne und der Krieg

"Wonder Woman" im Kino

Sexy Hexy im kurzen Röckchen erstürmt sie die Stellung der Deutschen und tritt den "Hunnen" so richtig in den Hintern. Hier bietet "Wonder Woman" Superhelden-Action, wie man sie erwartet. An anderen Stellen hebt sich der Film aber wohltuend ab von den Stereotypen des Comic-Genres.

16.06.2017, 18:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man muss den Film nicht feministisch nennen, doch Akzente dahin gibt es schon, wenn eine Frau das Heldenkostüm überstreift. Vor dem Szenario des Ersten Weltkriegs ist es "Wonder Woman", die angesichts des Sterbens Gefühle zeigt, während die Generäle eiskalt tausendfachen Tod einkalkulieren.

Junge Kriegerin gegen arrogante alte Säcke

Regisseurin Patty Jenkins wird sich etwas dabei gedacht haben, wenn sie ihre Heldin ins britische Kriegskabinett schickt, das der Film als Hort arroganter alter Säcke zeigt. "Wo ich her komme, kämpft ein General an der Seite seiner Männer!", beschimpft das Weibsbild die Sesselpupser. Diese Frau ist die bessere Kriegerin, und sie wird es beweisen. Dass ein Filmcomic aus dem Hause DC zwischendurch wie Spielbergs Kriegsdrama "Gefährten" aussieht, ist eine Überraschung. Und nicht die einzige: Ideengeber Zack Snyder (der die Geschichte episch breit angelegt) lässt Antike und Moderne aufeinanderprallen, dass man sich verblüfft die Augen reibt.

Wir sind auf der Insel der Amazonen, die mit Lanze, Schwert und Bogen wie die alten Griechen kämpfen. Aber, hey, wo kommt das Flugzeug her, mit dem Steve (Chris Pine) eine Bruchlandung hinlegt? Ein Mann von kühler Ratio betritt ein Eiland, das an Zeus und vorchristliche Mythen glaubt. Prinzessin Diana (wunderbar: Gal Gadot) wird nun in die raue Wirklichkeit des 20. Jahrhunderts katapultiert, auf Flanderns Schlachtfelder.

Nicht ohne ihr Schwert

Ein Sprung, der einiges an Komik abwirft. Im Kaufhaus tauscht Diana ihre "Hotpants" gegen Mode der Zeit, um im Jagdkostüm den Laden zu verlassen, nicht ohne Schwert und Schild! So gerüstet geht sie mit Steve, einem Hochstapler, einem Scharfschützen und einem Indianer auf ein Himmelfahrtskommando.

Deutsche Teufel haben ein Giftgas entwickelt, die Fabrik muss zerstört werden - ein Plot wie bei Marvels "Captain America", wo auch ein Bomber mit tödlicher Fracht startete. Das Duell zwischen Heldin und Erzfeind beschert dem Film den genretypischen Showdown voll krachiger 3D-Effekte, wieder macht Gal Gadot eine gute Figur. Origineller Erzählansatz, wohltemperierter Humor, sogar etwas Philosophie über die menschliche Natur: "Wonder Woman" ist mehr als ein Filmcomic von der Stange.

 

 

 

 

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