"Die Schutzbefohlenen" in Bochum auf der Bühne

Premiere

Zum ersten Mal kommt in Bochum ein Text von Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek im Schauspielhaus Bochum auf die Bühne. Hermann Schmidt-Rahmer inszeniert am Schauspielhaus Jelineks vierteiliges Werk über die Flüchtlingssituation. Und will dabei Standpunkte ins Wanken bringen.

BOCHUM

, 06.04.2016, 12:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hermann Schmidt-Rahmer bringt "Die Schutzbefohlenen" in die Kammerspiele.

Hermann Schmidt-Rahmer bringt "Die Schutzbefohlenen" in die Kammerspiele.

Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer ist kein unbeschriebenes Blatt, was Jelinek-Inszenierungen angeht. In Bochum wagt er sich jetzt an „Die Schutzbefohlenen / Appendix / Coda /Epilog auf dem Boden“ – Jelineks umfangreiches und über Jahre entstandenes Werk über die Flüchtlingssituation. In insgesamt vier Teilen hat die österreichische Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek den Text veröffentlicht, der am Samstag, 9. April, zum ersten Mal nach der Herausgabe des letzten Teils auf die Bühne gebracht wird.

Keine Uraufführung

„Es ist keine Uraufführung, weil die ersten drei Teile bereits in anderen Theatern gespielt wurden“, erklärt Dramaturg Olaf Kröck. Mit der Hinzunahme des letzten Teils „Epilog am Boden“ schließt sich aber ein wichtiger Kreis. „Jelinek arbeitet seit 2013 an diesen Texten. Dadurch zeigt sich einerseits eine historische Entwicklung – aber auch eine Veränderung ihres eigenen Stadpunktes“, so Kröck. „Es ist bezeichnend, wie sich der Wandel von einer Willkommenskultur hin zu einer hochneurotisierten Gesellschaft innerhalb kürzester Zeit vollzogen hat“, findet auch Schmidt-Rahmer.

Textliche Herausforderung

Wie bei Jelinkes Texten üblich ist auch der große Vierteiler, den Schmidt-Rahmer jetzt auf die Bühne der Bochumer Kammerspiele bringt, nichts als eine große Textfläche. „Es gibt keine Rollen und keine konkrete Handlung. Die Texte von Jelinek sind Fremdtextsammlungen und der Strom ihres eigenen Bewusstseins, in dem sie ihre gesamte Alltagswahrnehmung literarisch verdaut“, erklärt Kröck. Sich einem solchen Text zu nähern ist eine dementsprechende Herausforderung. Für Schmidt-Rahmer lautete das Stichwort daher „Sinnlichkeit“: „Wir haben konkrete Spielanlässe geschaffen und lassen die unterschiedlichsten Figuren aus Mythen, Legenden oder der zeitgenössischen Geschehnisse auftreten.“ Hinzu kommt eine große Menge dokumentarischen Materials, das Schmidt-Rahmer und Kröck im Zuge der Texterarbeitung zusammengetragen haben.

Standpunkt hinterfragen

Regisseur Schmidt-Rahmer, der in Bochum bereits „Gespenster des Kapitals“ und „Stromaufwärts“ inszenierte, verspricht einen Abend zum Mitdenken: „So wie Jelinek im Laufe des Textes ihren eigenen Stadtpunkt zur Flüchtlingsthematik verändert, so soll auch der Zuschauer seinen eigenen Standpunkt im Laufe der Inszenierung immer wieder hinterfragen und auch zu solchen Gedanken gelangen, die bisher nicht seiner Überzeugung entsprachen.“ Sina Langner

Premiere ist am Samstag (9. April) in den Kammerspielen des Schauspielhauses. Es gibt noch Restkarten.