„Die schwarze Flotte“ leistet politische Bildung auf der Bühne

Schauspiel Dortmund

Es hätte ein akademischer Vortrag werden können, das trockene Protokoll einer Recherche zu Menschenhandel und Waffenschmuggel. Wurde es aber nicht. Weil der famose Andreas Beck die Dinge lebendig erklärt, der Figur des Spürhundes eine menschliche Note verleiht, und Kay Voges' Regie lässigen Humor einstreut.

Dortmund

, 24.10.2016, 15:58 Uhr / Lesedauer: 1 min
Andreas Beck erzählt lebendig über Flüchtlinge, Menschenhandel und Waffenschmuggel.

Andreas Beck erzählt lebendig über Flüchtlinge, Menschenhandel und Waffenschmuggel.

Fast zwei Stunden dauert das Becksche Solo "Die schwarze Flotte", das am Sonntag im Megastore des Dortmunder Schauspiels uraufgeführt wurde. Es basiert auf Fakten, Fakten, Fakten, die so anschaulich und gedanklich gut sortiert dargereicht werden, dass keine Langeweile aufkommt, dafür Neugier und ein gewisses Maß an Spannung.

Anne-Kathrin Schulz stützt sich in ihrem Stück auf die Arbeit der Reportergruppe "Correctiv", die im Feld des investigativen Journalismus arbeitet und wissen wollte, wie das Geschäft mit den Flüchtlingen organisiert ist. Wer verdient daran, wo sitzen die Drahtzieher?

Einblick in die Studierstube

Eine Recherche zu den Hintermännern einer Schattenwirtschaft, die -zig Millionen umsetzt. Andreas Beck schlüpft in die Haut eines modernen Sherlock, der in einer Mauer aus Tarnung und Vertuschung den Durchstich zur Wahrheit sucht. Eine schwarze Flotte befährt das Mittelmeer, transportiert Waffen, Drogen, gerne Flüchtlinge, denn die zahlen bar und im Voraus.

Voges' Bühne ist eine Studierstube mit Monitoren, Kameras, Tafeln, an denen Beck seine Puzzlearbeit erklärt. Schiffswege, Handelsregister, Facebook-Einträge hat sein Team durchforstet, bis die Namen syrischer Reeder im Raum stehen. Verdient Assad am Elend von ihm bekriegter Landsleute?

Die Welt ist viel komplexer: Deutsche Waffen werden nach Nahost verkauft und halten den Teufelskreis aus Krieg, Flucht, Menschenhandel in Gang. Politische Bildung auf der Theaterbühne - sehenswert.

29.10., 10./17.11., Karten: Tel. (0231) 5 02 72 22.

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