Die schwarze Seele der großen Edith Piaf

Theater Hagen

Drogensucht und Suff: Das Theater Hagen hat das 38 Jahre alte Musical zu Edith Piafs Leben von Pam Gems auf die Bühne gebracht. Die Chansonette kommt in dem zugespitzten Stück gar nicht gut weg.

HAGEN

, 15.02.2016 / Lesedauer: 2 min
Die schwarze Seele der großen Edith Piaf

Judith Guntermann als Édith Piaf

Kurz vor Weihnachten wäre sie 100 Jahre alt geworden. Tatsächlich währte ihr Leben gerade einmal 47 Jahre. 1963 starb Édith Piaf, die wohl bedeutendste Chansonnette, an Krebs - und nicht etwa an den vielen Drogen, wie es die englische Dramatikerin Pam Gems in ihrem Ende der 70er-Jahre uraufgeführten Musical "Piaf" suggeriert.

Von der Welt entrückt

Darin kommt die französische Gesangsikone so gar nicht gut weg: Gems reduzierte den "Spatz von Paris" auf Drogensucht, Suff, den hohen Verschleiß an jungen Männern, die tyrannische Ader im privaten Umfeld. Deshalb greifen viele Theater lieber auf eigene Programme zurück. Das Theater Hagen hat sich für die zugespitzte Musical-Version entschieden. Regisseur Thomas Weber-Schallauer brachte das 38 Jahre alte Stück auf die Bühne - sparsam, aber treffsicher.

Die Essenz des Abends gibt es schon zur Einleitung: Von der Welt entrückt, krank und schwächlich wird die Piaf auf die Bühne geführt, setzt zum Gesang an, bis die Stimme versagt und sie laut fluchend wieder aus dem Rampenlicht gezerrt wird.

Fluchen, fluchen, fluchen

Fluchen wird sie eine Menge an diesem Abend. Doch fair ist es wohl kaum, wenn Dramatikerin Gems wirklich alles, was ein schlechtes Licht auf die große Piaf werfen kann, in den allerschwärzesten Tönen ausmalt: Ihren Entdecker hat sie Mördern ans Messer geliefert; über den frühen Tod ihres einzigen Kindes erzählt sie, als sei es eine belanglose Anekdote.

Der Sympathie für die Hagener Hautdarstellerin Judith Guntermann tut das keinen Abbruch. Als Piaf ist sie gesanglich und darstellerisch ein Volltreffer. Sie bietet keine Piaf-Imitation, und doch kommt sie in überzeugend dem Stil des großen Vorbildes verblüffend nahe: in Timbre, wohldosierter Schärfe und schöner französischer Artikulation. Begleitet wird sie von einem Quartett unter Leitung von Andres Reukauf. Ein umjubelter Abend.

Termine: 20./25.2., 4./13./17.3.; Karten: Tel. (02331) 2073218.