Die schwere und doch sinnliche Kunst des Henry Moore

LWL-Museum für Kunst und Kultur

Henry Moore nach Münster zu bringen, muss im wahrsten Wortsinn ein Kraftakt gewesen sein: Die wuchtigen Bronze-Skulpturen des britischen Bildhauers wiegen nicht selten hunderte Kilo. Die schwerste Plastik der am Freitag im LWL-Museum für Kunst und Kultur startenden Ausstellung bringt 3000 Kilo auf die Waage.

MÜNSTER

von Florentine Dame, dpa

, 09.11.2016, 17:53 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die schwere und doch sinnliche Kunst des Henry Moore

„Der Bogenschütze“ (1966) aus Berlin steht jetzt auf dem Vorplatz des LWL-Museums für Kunst und Kultur. Ab morgen ist dort die größte Werkschau des Bildhauers in Deutschland seit 18 Jahren zu sehen.

"The Archer", der Bogenschütze, reiste aus Berlin nach Westfalen und markiert nun vor dem Museumsneubau den Startpunkt der Schau "Henry Moore. Impulse für Europa".

18 Jahre ist es her, dass ein deutsches Museum sich mit einer umfassenden Werkschau dem Briten widmete.

Nun will das LWL-Museum den so wichtigen Impulsgeber für die europäische Bildhauerei neu entdecken.

Die Ausstellungsmacher feiern den Engländer als großen Europäer, als einen, der sich nicht als Insulaner abgeschottet habe, sondern jemand gewesen sei, "der sich nicht um Grenzen scherte", wie Museumsdirektor Hermann Arnhold betont.

74 Arbeiten sind zu sehen

"Das Herz von Moores Werk ist die menschliche Figur", sagt Kurator Chris Stephens. Der Moore-Kenner ist ausgeliehen von der Tate Gallery in London, die über einen riesigen Moore-Fundus verfügt und zu der Ausstellung einen Großteil der 74 Moore-Arbeiten beigesteuert hat.

Was Moore auf dem gebeutelten Kontinent damals so populär gemacht habe, seien seine Humanität und sein Pazifismus gewesen.

Im Ersten Weltkrieg hatte der Wehrpflichtige an der französischen Front selbst leidvolle Kriegserfahrungen gemacht, die nach Überzeugung von Stephens auch in seinen Plastiken sichtbar sind: gebrochene Körper, auf dem Boden liegende Figuren - verletzt, fragmentiert.

Die andere Betrachtungsweise der zwischen dem Abstrakten und dem Figurativen wandelnden Plastiken ist das Friedvolle, das sie ausstrahlen. Moore habe immer wieder die Wechselbeziehung von Landschaft und Mensch in Form gegossen, erklären die Kuratoren:

Frauenkörper spiegelt Landschaft

Ein Frauenkörper spiegelt gleichzeitig die dahinfließende Landschaft. "Moore ist ein sehr sinnlicher Künstler", ergänzt Arnhold.

Moores Bandbreite der Formensprache prägte eine ganze Generation von Bildhauern, wie die Schau mit einer Vielzahl korrespondierender Werke verdeutlicht.

Da ist "Der Krieger" von Markus Lüpertz, die gefallene Gestalt erinnert an Moores liegende Soldatenfiguren. Selbst Joseph Beuys zitierte den Briten in seiner Arbeit.

Es gibt viel zu entdecken in der Ausstellung.

LWL-Museum für Kunst und Kultur Münster: "Henry Moore", 11.11.2016-19.3.2017, Domplatz 10, Di-So 10-18 Uhr, Eintritt 12 (ermäßigt 6) Euro, Katalog 39,90 Euro. Am zweiten Freitag im Monat ist das Museum bei freiem Eintritt bis 22 Uhr geöffnet.

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