Die silbernen Kugeln sind wieder da

Otto Piene

Die silbernen Kugeln gehörten schon so sehr zur Fassade, dass man sie kaum mehr wahrnahm. Die „Kunst am Bau“ war mit dem Bau verschmolzen. Jetzt strahlt Otto Pienes Lichtwand „Silberne Frequenz“ ganz neu: Sie ist am Neubau des Museums für Kunst und Kultur in Münster installiert, das Gerüst ist weg. Und man sieht: Sie sieht anders aus als vorher.

MÜNSTER

, 05.06.2014, 20:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Doch das ist erst der Anfang. Durch eine computergesteuerte Technik lassen sich jetzt über neue LED-Lampen Lichtmuster gestalten. Nach einer Probemontage im November 2012 entschied sich der Künstler für warmes Licht. Der Grund: Die warme Farbe füge sich harmonischer ins Stadtbild von Münster ein.

Welche Muster zu sehen sind, entscheidet Piene ebenfalls selbst. „Wir hoffen, dass er im Juli nach Münster kommt und die Programmierung festlegt“, sagt Claudia Miklis, Pressesprecherin des Museums des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Im September, zur offiziellen Eröffnung des LWL-Museums, wird die Lichtwand dann angeknipst. Die Muster sind dann in den Abendstunden an der Pferdegasse sowie am Aegidiimarkt zu sehen. „Die genauen Zeiten müssen wir noch bestimmen“, so Miklis. Der Name „Silberne Frequenz“ erklärt sich übrigens durch die Anordnung der Kugeln in dem rechteckigen Raster, über das die Lichter zu laufen scheinen. Geschaffen hat sie Piene 1970/1971 – schon damals galt er als Pionier der Lichtkunst und der Kunst am Bau. Als er 1957 zusammen mit seinem Künstlerkollegen Heinz Mack die Gruppe „ZERO“ gründete, war das ein Neuanfang in der Kunst: Statt an alten Traditionen aus den 1920er-Jahren anzuknüpfen, lösten die ZERO-Künstler das zweidimensionale Bild auf und setzten das Licht als Material im Raum ein.

Das LWL-Museum besitzt noch weitere Arbeiten des Künstlers in seiner Sammlung: vier Lichtplastiken, die für eine Multimedia-Oper namens „Die Geschichte von einem Feuer“ entstanden. „Im neuen Museum können wir sie endlich zeigen“, so Miklis. Sie werden in einem dunklen Raum stehen und ein Lichtballett an die Wände werfen. Der Landschaftsverband hat auch einen kleinen Film zu Piene produziert, der im Netz heruntergeladen werden kann. Dort erklärt der Künstler auch, dass jetzt im Gegensatz zu früher das LWL-Logo in seinem Kunstwerk prangt. Dieses Branding des Hauses mitten in der Kunst mutet schon ein wenig seltsam an, doch Piene stört das offensichtlich nicht: „Die Information wird künstlerisch gestaltet. Das ist doch prima!“  

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