Die Welt des Wassers in einem 100 Jahre alten Turm

Aquarius Museum

Das Aquarius Wassermuseum in Mülheim an der Ruhr ist vieles: Hightech-Museum, ausgefallener Ort für Tagung und Workshop, ein extravaganter Ort für eine standesamtliche Trauung. Und: ein faszinierendes Ausflugsziel für Familien. Es befindet sich in einem über 100 Jahre alten ehemaligen Wasserturm. Ist das 50 Meter hohe Gebäude auch über 100 Jahre alt, innen gibt es moderne Multimedia-Spiele.

Mülheim an der Ruhr

, 18.01.2014, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Mit dem gläsernen Hydraulik-Aufzug geht es hinauf zur Panorama-Plattform in 34 Metern Höhe.

Mit dem gläsernen Hydraulik-Aufzug geht es hinauf zur Panorama-Plattform in 34 Metern Höhe.

Der Ausblick ist grandios. 34 Meter hoch bringt der hydraulische Glasaufzug die Besucher auf die Aussichtsplattform des alten Wasserturms in Mülheim. Der Blick über die Ruhr-Landschaft reicht vom Duisburger Hafen über den Oberhausener Gasometer bis zu den südlichen Mülheimer Ruhrhöhen. Begeisterung kommt auf, wenn das Wetter an der Ruhr klar ist. Der Panorama-Blick ist der krönende Abschluss eines außergewöhnlichen Museumsbesuch, bei dem der Eintrittskarten-Chip den Zugang zur Multimedia-Welt des Wassers öffnet. Mit einem Fahrrad geht es zum Beispiel die Ruhr entlang. Etappen der Industrie-Dynastien werden aufbereitet und an einem Frosch-Brunnen lässt es sich herrlich spielen.

Und eine riesige Weltkugel enthält mehr Infos über Flüsse und Staudämme, als sich ein Besucher überhaupt merken kann. „Der Wasserturm Styrum wurde 1892/93 von August Thyssen zur Versorgung seines Eisenwalzwerkes erbaut“, sagt Andreas Macat seit 2006 Leiter des Aquarius. Historische Fakten des denkmalgeschützten Bauwerks:

  • Der Turm lieferte Wasser nach Styrum, bald auch nach Bottrop. Einige Jahre später wurden die Thyssen-Zechen in Gladbeck und die Gewerkschaft Deutscher Kaiser bei Hamborn ans Netz angeschlossen.
  • 1912 ging das Gebäude in den Besitz der neugegründeten RWW Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft über.
  • Bis zu seiner Stilllegung 1982 lieferte der Turm vorwiegend Betriebswasser, zunächst an Thyssen, später an Mannesmann. Neben seiner Funktion als Wasserspeicher diente der Wasserturm auch lange Zeit als Wohnung. Ende der 80er-Jahre beschloss die RWW, den Wasserturm als Industriedenkmal zu erhalten und zum Museum auszubauen.
  • Das Aquarius Wassermuseum wurde im April 1992 eröffnet.

Heute ist der Styrumer Wasserturm Teil der Route Industriekultur und ein Highlight auf der Tour, die als 400 Kilometer lange „touristische Straße“, die 25 Industriedenkmäler verbindet. Wer mag, erkundet zum Beispiel mit einem Entdeckerpass die Ruhr von der Quelle bis zur Mündung, und tritt dabei kräftig in die Pedale. Fahrräder kann man am Bahnhof Styrum leihen.

Ruhr-Wasser ist das Kerngeschäft der RWW Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft. Fünf Millionen Menschen trinken das Wasser aus der Ruhr, der „Lebensader einer Region“, wie Museumsleiter Macat sagt. Ressourcen schützen, Wasser sparen, sind heute bekannte Forderungen. „Tatsächlich muss man aber differenzieren. Denn Wasser ist ein regionales Produkt“, erklärt Macat. Man müsse die globale Dimension zum Beispiel für die Produktion von Waren berücksichtigen. Das ist auch eins der Hauptanliegen der Ausstellung. Es geht um das sogenannte virtuelle Wasser. Das ist jene Menge an Wasser, die für die Herstellung eines Produktes einschließlich aller Vorprodukte und deren Transport benötigt wird. Weil man es den Produkten nicht ansieht, bezeichnet man das darin enthaltene Wasser als „virtuell“.

„Um zum Beispiel eine Tomate zu erzeugen, sind etwa 13 Liter Wasser erforderlich. 16 000 Liter Wasser verbergen sich in einem Kilo Fleisch“, sagt der Museumsleiter. Diese Daten und viele mehr erfahren Besucher des Aquarius auch in der Ausstellung. Doch weder Kinder noch Erwachsene werden im Wasserturm mit Daten und Zahlen „zugeschüttet“. Vielmehr wird das „Thema aufgeschlagen“, wie Macat es nennt. An drei Stationen erfahren die Museumsbesucher alles über virtuelles Wasser: Mittels Chipkarte und Scanner können sie Einkäufe tätigen, sie erfahren, wie viel virtuelles Wasser in einzelnen Alltagsprodukten enthalten ist und ermitteln ihren persönlichen „Wasserfußabdruck“.

In einer einzigen Tasse Espresso steckt mehr virtuelles Wasser als wir täglich zum Trinken, Kochen, Duschen, Waschen, Putzen benötigen. Während wir hierzulande mit etwa 122 Litern realem Wasser auskommen, ist der Tagesverbrauch an virtuellem Wasser mit bis zu 5000 Litern ungleich höher. Denn nahezu alle Erzeugnisse, vom Frühstücksei bis zum Mikrochip, enthalten virtuelles Wasser. Obwohl Deutschland über ausreichende Wasserreserven verfügt, wird Wasser gespart. Gleichzeitig konsumiert wohl jeder über Nahrungsmittel und Gebrauchsgegenstände aus wasserarmen Regionen die dort dringend benötigten Wasserreserven. „Über unseren Konsum importieren wir Wasser und exportieren damit weitere Wasserknappheit“, erläutert Macat. Deutschland gehört zu den weltweit größten Importeuren von virtuellem Wasser.

Museumsleiter Macat: „Ein Umdenken beim Wassersparen sollte daher eingebettet werden in ein Umdenken bei unseren Konsumgewohnheiten. Sparen wir beim virtuellen Wasser, entschärfen wir die Wasserprobleme in den Entwicklungsländern.“